Wie alles begann

Wer kennt das nicht, beim Schritt ins Kinderzimmer trifft einen der Schlag und man kann gar nicht anders, der typische Eltern-Satz „Wie sieht’s denn HIER aus?????“ erklingt aus dem eigenen Mund. So wollte ich doch gar nicht werden!

Die Kinder hatten erstmal kein großes Problem damit. Hindernissen gingen sie aus dem Weg (auch 30-Mal hintereinander) statt sie wegzuräumen. Meine Tochter, die sich mindestens drei Mal am Tag umzieht, ließ alle Klamotten einfach liegen. Papierschnipsel wohin das Auge sah. Überall Staub und Dreck, weil ich mit dem Staubsauger einfach so selten reinkam. Denn, und das war das Hauptproblem: Ich hasse Aufräumen. Mein Mann hat sich ca. ein Mal im Monat im Kinderzimmer eingeschlossen und hingebungsvoll stundenlang alles sortiert und weggeräumt. Nach so einer Aktion fragte meine Tochter (4 Jahre) dann mal „Mama, sind wir umgezogen?“. Für das abendliche Aufräumen war eher ich zuständig und Ich. Habe. Es. Gehasst. Ich hab schon genug mit dem Rest der Wohnung zu tun. Ein Zimmer nach dem anderen und wenn das letzte (wir haben nur 3 Zimmer, Küche und Bad…) fertig ist, kann man im ersten schon wieder von vorne anfangen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade und die Laune hat auch sehr gelitten (meine Laune. Aber meine Laune hat einen riesigen Einfluss auf den Rest der Familie. Also.)

In unserem Familienleben versuchen wir, den Kindern ein gutes Beispiel vorzuleben. Wir ernähren uns aus Überzeugung weitgehend vegan (aber nicht streng, denn es muss zum Leben passen). Wir achten darauf, Müll zu vermeiden und Dinge zu reparieren, statt sie wegzuschmeißen und neu zu kaufen. Wir machen sehr viel selbst (Brot, Nudeln, Kekse, Kochen sowieso) und verzichten soweit wie möglich (jetzt hört der Spaß wirklich auf) auf Zucker. Das bedeutet immer, dass wir als Erwachsene das auch machen. Wir versuchen schon lange, oft gründlich auszumisten und nicht zu viel Zeug anzusammeln. Im Kinderzimmer haben wir das nie geschafft.

Es gibt aber auch so schönes Spielzeug. Und wir wollen ja auch, dass die Kinder sich mal (mal!!!) alleine beschäftigen. Und einiges wollten wir wahrscheinlich auch wirklich eher selber haben (mein Mann und Lego… Ich und Prinzessinenkram für mein Mädchen…). Jedenfalls ging es so nicht weiter.

Diesen Artikel von Ruth Soukup von livingwellspendingless.com hatte ich schon vor längerer Zeit gelesen und seitdem immer mal wieder (sie postet ihn auch öfter :)) und war fasziniert. Ruth hat eines Tages nach wiederholter Aufräumverweigerung ihrer Töchter, alles Zeugs aus dem Kinderzimmer geräumt und bisher haben sie es nicht wiederbekommen (und auch nicht vermisst). Das liest sich so schön. Die Auswirkungen auf die Kinder – das wollte ich auch für uns! Aber es hat schon gedauert, bis ich tatsächlich so weit war.

Bei uns war es ein Abend nach einem langen Wochenende. Wir waren der Reihe nach alle Erkältet, jedenfalls waren wir seit 4-5 Tagen in wechselnden Konstellationen alle zuhause, ein Wochenende war auch noch dabei. Jeden Tag hatten wir mindestens eine halbe Stunde lang das Kinderzimmer aufgeräumt, nur damit es nach zehn Minuten noch schlimmer aussah als vorher. Dann konnte ich nicht mehr, habe den Kindern erklärt, wie sehr ich Aufräumen hasse (sie waren überrascht), wie viel Zeit uns das nimmt und habe ihnen den Vorschlag gemacht, einfach mal alles rauszuräumen und sie könnten sich dann etwas aussuchen, mit dem sie spielen und der Rest wird nicht weggeworfen, sondern bleibt erreichbar – nur nicht so direkt. Meine Tochter hat das nicht wirklich verstanden, sofort angefangen ihre liebsten Kuscheltiere (also alle…) um sich zu sammeln. Mein Sohn war Feuer und Flamme. „Aber guck mal, E., du spielst doch eigentlich meistens mit Monika! (Ihre Babypuppe)“. Ja, stimmt, plötzlich konnten alle anderen Puppen weg. Wir haben angefangen, alle Spielzeugkisten ordentlich zu beschriften (großer Spaß für Kinder – sind eure auch solche Tesafilm-Fetischisten?) und haben sie nach und nach auf den Flur gestellt. Da wir unser Spielzeug großteils sowieso in Kisten aufbewahren, war das gar nicht so viel Arbeit.

Die Kinder hatten jeder eine kleine Kommode, die haben wir einfach aufgeräumt, die Schubladen beschriftet und sie ins Schlafzimmer getragen und dort (Schubladen zur Wand) erstmal untergestellt (wir haben auch in unserem Schlafzimmer ein Hochbett, deshalb war Platz dafür).

Einiges haben wir auch entsorgt (Papierschnipsel, Ü-Ei-Figuren, vor hundert Jahren selbstgebasteltes, Stifte ohne Kappe…).

Dann haben wir einmal gründlich saubergemacht (da waren die Kinder in der KiTa) und die Kisten auf den großen, unbenutzten Schrank im Kinderzimmer gestellt. Und dann haben mein Mann und ich tief durchgeatmet und erstmal einen Kaffee getrunken.

kinderzimmer_gesamt

M. hatte sich die Duplosteine ausgesucht, die wollte er unten behalten. E. also ihre Puppe (mit Puppenbett und einigen Kleidungsstücken im Puppenschrank. Wir werden sehen, ob sie das wirklich braucht. Mehr wollten beide erstmal nicht. M. war auch sauer, dass sein Piratenschiff, die Ritterburg und das Baumhaus noch am gleichen Platz standen wie vorher (ganz oben auf dem Regal). Aber die waren nie das Problem und sind für die Kinder allein nicht erreichbar. Abends wollte M. dann noch ein Kuscheltier haben, außerdem hatte ich sein selbstgebautes Holzflugzeug noch mit unten gelassen (weil ich keinen Platz dafür gefunden habe…). Das waren also seine drei Dinge. E. blieb erstmal bei der Puppe.

Sie haben am ersten Nachmittag sowieso nicht mit den Sachen gespielt, sondern sich aus den großen Bausteinen und der Matte einen Tobeparcours im plötzlich so erfreulich leeren Zimmer gebaut und Hochsprung geübt (unter uns ist ein Büro, da ist abends niemand mehr, Gott sei Dank!).

Das Aufräumen abends hat drei Minuten gedauert und alle hatten gute Laune!

 

3 Gedanken zu “Wie alles begann

  1. Voll gut! Bei unserem großen Kind haben sie das letztes Jahr für mehrere Monate in der Kita gemacht und es kam sehr gut an bei den Kindern. Ich hatte danach auch den Impuls das zu Hause zu machen, aber wir sind umgezogen und die Umstellung wollte ich nicht noch mehr komplizieren (wäre aber vielleicht genau der richtige Moment gewesen).
    Aber meine Frage: wie handhabt ihr die oft sehr wohlmeinenden Geschenke von Großeltern, Freunden usw.? Wie oft habe ich darum gebeten, Geschenke vorher mit uns abzusprechen oder zum Geburtstag/zu Weihnachten wirklich nur eine einzige Sache zu schenken?! Hat alles nix genützt und jetzt ist das Zimmer rappelvoll. Dem Kind kann ich schlecht vermitteln, dass das Geschenkte „überflüssig“ ist. Und von den Schenkern gibt es ja immer auch eine Erwartungshaltung: „Und spielt J. auch damit?“

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