Warum spielzeugfrei?

Wir haben überhaupt nichts gegen Spielzeug. Besonders L. hat sich die kindliche Freude daran sehr gut erhalten ;). Kinder sollten spielen – immer und ständig und ausschließlich. Dadurch lernen sie alles. Und natürlich brauchen sie auch etwas WOMIT sie spielen können – eben Spielzeug.

Es ist nur erstens ein sehr weiter Begriff und zweitens gibt es inwischen so unglaublich viel davon. Zu viel, unserer Meinung nach. Ich glaube, die meisten Kinder haben ein paar Sachen, die ihnen wirklich am Herzen liegen und mit denen sie viel spielen. Und dann ist da dieses ganze ZEUGS. Heiß gewünscht und nach einem Tag liegt es in der Ecke. Oder noch nicht mal heiß gewünscht – denkt an die ganzen Give Aways, die die Kinder ungefragt in die Hand gedrückt bekommen. Wie viele Luftballons bei uns herumgeflogen sind… Es sind zwei Dinge, die uns an der Spielzeuegflut stören: Dieses Zuviel irritiert die Kinder, lenkt sie ab, fördert den Konsumgedanken und Streit (Mein-Dein, der hat mehr usw.). Gleichzeitig engt es ein. Inwiefern? Ich werde jetzt etwas ausholen:

An anderer Stelle hatte ich schon geschrieben, dass wir viel kochen und selbstmachen. In letzter Zeit haben wir,  aus verschiedenen Gründen, aber versucht noch ein bisschen mehr rauszuholen und wir kaufen momentan wirklich fast nur noch Rohstoffe,  also Obst,  Gemüse,  Getreide,  Reis etc. ein und backen Brot und Brötchen selbst,  machen Nudelteig, schneiden Pommes Fries aus Kartoffeln, stellen Ketchup selbst her (bisher noch nicht so erfolgreich) und (vegane) Mayonnaise,  Apfelessig,  Fruchtaufstrich und vieles mehr. Hauptsächlich machen wir das, weil es uns Spaß macht, weil es ein schönes Gefühl ist, die Familie mit Essen zu versorgen, zu wissen, was drin ist (und was nicht!) und nach dem eigenen Geschmack kochen zu können. Aber seit wir die Reaktion unserer Kinder darauf sehen, achten wir mehr darauf,  ihnen damit auch zu zeigen,  dass wir eben nicht abhängig sind von Läden oder anderen, die uns Dinge vorgeben. Die Kinder sind nämlich begeistert,  teilweise schon fast ehrfürchtig (Mama,  wieso kannst du das alles?) und sehr interessiert. Der Ketchup war wirklich ungenießbar,  zu viel Essig. Die Reaktion der Kinder (in so einem Fall normalerweise „Iih,  schmeckt nicht,  esse ich nie wieder!“ war hier: „Oh,  dann machen wir beim nächsten Mal weniger Essig rein,  ja?“

Was hat das mit spielzeugfrei zu tun? Meiner Meinung nach steckt das gleiche Muster dahinter. Die Kinder, oder wir alle eigentlich,  sind daran gewöhnt alles in einer bestimmten Form zu bekommen. Brötchen schön fluffig (und immer gleich), das Playmo-Boot möglichst naturgetreu und unsere  Tochter,  die wirklich genug Kleider und Tücher zum Verkleiden hat,  liegt uns in den Ohren, sie bräuchte ein  Elsa-Kleid und ein Feen-Kleid und ein Elfen-Kleid und die müssen ganz genau so und so aussehen, sonst könne sie keine Elsa / Fee / Elfe sein.

Wenn man 30 Matchboxautos sein eigen nennt,  dann hat eben jedes einen ganz bestimmte Funktion,  wenn Legomännchen und – weibchen jedes eine ganz bestimmte Uniform aufgemalt haben,  dann spielen sie eben immer genau diese Rolle.

(Dazu habe ich neulich auch einen schönen Artikel gelesen, den ich gerade leider nicht wiederfinde aber hier hoffentlich bald noch verlinken kann!).

Das haben wir den Kindern leider anerzogen und wir hoffen,  wieder ein Stück zurück rudern zu können und ihnen zu vermitteln,  dass sie selbst in der Hand haben,  welches Gewürz sie ins Brot tun können und was ihr Umhang heute darstellen könnte.

Das ist kein neuer Gedanke. Genau darum geht es ja z. B. in der Waldorfphilosophie. Das berühmte Holzspielzeug (das die Eltern immer so schön finden und mit dem die Kinder nicht spielen (wenn daneben buntes,  detailgetreues Plastikspielzeug blinkt) versucht wenig vorzugeben,  am vielfältigsten einsetzbar sind wahrscheinlich Bausteine.

Wir hatten uns das alles so schön ausgemalt,  als das erste Kind klein war. Handverlesenes, pädagogisch wertvolles Holzspielzeug, übersichtlich und fürs Kind leicht erreichbar verstaut…  Aber dann kam die KiTa,  mein Zweijähriger sagte plötzlich „Guck mal, ich bin Baidermän“, von Cousinen und Freunden mit älteren Kindern gab es Spielzeug vererbt, von Großeltern wurde geschenkt und das alles hatte wenig mit unserem Plan zu tun. Und dann gab es, wie gesagt, auch noch das Spielzeug, das eigentlich mein Mann und ich schön fanden…

Darum also unser spielzeugfreies Kinderzimmer – das ja, es wird euch aufgefallen sein – gar nicht spielzeugfrei ist! Nur extrem spielzeugreduziert. Und, ehrlich gesagt, bisher hat sich für die Kinder eigentlich nicht viel verändert. Sie spielen weiterhin mit Bausteinen (momentan eben Duplo) und Puppen. Nur das ganze ablenkende Drumherum fehlt (keinem). Sie haben mehr Platz. Sie bauen groß und nutzen alles, was ihnen zur Verfügung steht.

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