Tipps fürs spielzeugfreie Kinderzimmer

Ein spielzeugfreies Kinderzimmer zu schaffen müsste eigentlich ganz einfach sein (alles raus), ist es aber, das wissen wir alle, in der Praxis nicht. Es gibt aber eine Tricks, mit denen wir uns das Leben leichter machen können. Wir haben sicherlich noch nicht alle, wir haben ja selber auch gerade erst angefangen, aber vielleicht helft ihr uns beim Sammeln, damit Generationen von Eltern nach uns von unseren Erfahrungen zehren können?

  1. Gar nicht erst anfangen.
    Haha, sehr witzig. Ja, aber im Ernst, das ist natürlich der einfachste weg, der Spielzeughölle zu entgehen! Wenn man es schafft sich von der Vorstellung zu lösen, Kinder bräuchten Spielzeug, dann schafft man fürs Baby erst gar nichts an. Für Babys ist ein Holzkochlöffel etwas ganz tolles. Schneebesen – WOW! Dein Halstuch (riecht auch noch so gut!). Ein – gut verschlossenes – Säckchen mit trockenen Erbsen. Mehr. Braucht. Es. Nicht. EHRLICH!!!
  2. Auf Wünsche warten.
    Wenn in unserem Kinderzimmer nur Dinge wären, die die Kinder sich wirklich selbst gewünscht haben, hätten wir kein Problem. Ganz einfach. Ein paar Beispiele? Wir haben verschiedene „Klassen“ von Spielzeugen:
    a) Wir fanden es toll / dachten die Kinder brauchen es. Dazu gehört z. B.
    – die Kinderküche
    – das Puppenbaumhaus (soooo schön!)
    – die Murmelbahn (gehört auch in Kategorie b)
    – Holzbausteine
    – Schleich-Tiere und andere Tierfiguren

    b) Relikte aus der eigenen Kindheit, die von den Großeltern (oft ungefragt) über uns ausgeschüttet wurden, dazu gehören z. B.
    – Unmengen an Kuscheltieren
    – Puppen und Puppenkleidung
    – altes Playmo und Lego

    c) Geschenke von anderen ohne entsprechende Wünsche dazu.

    Was sich unsere Kinder tatsächlich selbst gewünscht haben? Ich würde sagen, es fing so mit 3 an. Zum vierten Geburtstag gab es wirklich konkrete Wünsche. Der erste Wunsch unseres Sohnes war (zum 3. Geburtstag) ein Fahrrad. Seitdem wünscht er sich eigentlich immer die nächste Größe, sobald es auch nur ansatzweise passen könnte. Seit er Lego kennengelernt hat, stehen die kleinen Steine ganz oben auf der Liste. Aber nicht Steine, Türen und Fenster (so hab ich mit Lego gespielt), sondern er will (Raum-)Schiffe bauen, Fahrzeuge und Roboter.

    Unsere Tochter (4 Jahre) wünscht sich IMMER Puppen. Und hat sehr genaue Vorstellungen. Meine wunderschöne, von meiner Mutter seinerzeit handgenähte Waldorfpuppe dient nur als Deko (und zum Haareschneiden-Üben – AAAAHHHH). Sie will Puppen mit Haaren, die man kämmen kann / die die Augen auf und zu machen / eine Babypuppe. Und mit denen spielt sie auch.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Wir sollten aufhören, den Kindern das zu schenken, was wir gerne (gehabt) hätten und müssen anfangen, ihnen zuzuhören. Das sind sicherlich nicht immer die Sachen, die wir gut finden. Bis wir E. die heißersehnten Barbies schenken wird es noch eine Weile dauern, die finden wir einfach zu eklig. Aber es wird sie glücklich machen. Momentan hat sie mit einer Freundin getauscht – sie hat die Elsa-Barbie, die Freundin eine ihrer Puppen.

    Aber aufgepasst: Es gibt diese kurzlebigen Wünsche (gerade bei Max gesehen, das will ich auch!) und es gibt die tiefen Wünsche, die bleiben!

  3. Leihen statt kaufen.
    Viele Dinge sind heiß erwünscht und dann liegen sie nach ein, zwei oder drei Monaten doch nur noch rum. Wie praktisch wäre es, das Spielzeug dann einfach zurückgeben zu können. Neben kommerziellen Angeboten wie www.meine-spielzeugkiste.de kann man das auch ganz einfach im Freundeskreis organisieren. Den tollen Grimm’s Regenbogen (ja, ich bin verliebt) muss sich ja nicht jeder in der Pekip-Gruppe anschaffen. Wenn einer den Regenbogen hat, eine die schönen Bausteine und einer einen Fundus an Schleich- oder Ostheimer- oder sonstigen Tierfiguren, dann könnt ihr einen schönen Tauschkreis ins Leben rufen und eure Kinder werden Freude an dem jeweils einen Spielzeug haben, das gerade bei euch ist.
  4. Platz begrenzt halten.
    Im ersten Kinderzimmer hatten wir ein kleines Regal mit vier Fächern. Das sah anfangs ganz schick aus, in einem Fach stand ein kleiner Korb mit Holzbausteinen, in einem ein Brummkreisel (fällt eindeutig in Kategorie a), damit hat NIE jemand gespielt), in einem eine kleine Tierszenerie und in einem ein großer Korb mit der Murmelbahn (s.o.).
    Im zweiten Lebensjahr wurden daraus 8 Fächer und so ging es weiter.
    Unser Tipp also: Bleibt beim 4-Fächer-Regal. Wenn das voll ist, muss getauscht werden (oder gestoppt!!!).
    Euren Kleiderschrank baut ihr ja auch nicht immer weiter aus (oder???), sondern wenn er voll ist und nichts mehr rein geht, dann müsst ihr aussortieren.
  5. Ausprobieren und Vorteile erkennen.
    Ich bin verliebt in das Spiel meiner Kinder, seit ihr Kinderzimmer nicht mehr überquillt. Sie spielen ruhiger und konzentrierter. Sie sind wahnsinnig kreativ. Sie sehen eine Werbeprospekt und sind drei Stunden damit beschäftigt damit zu basteln. Sie nehmen sich ein Tuch und dann ist das erst die Schlitterbahn, wird zum Königsumhang und dient später als Höhle oder Puppendecke. Je weniger sie haben, desto mehr können sie damit spielen.
    Ich entschuldige mich hiermit bei meinen Kindern, sie so mit Spielzeug vollgemüllt zu haben, dass sie das einzelne gar nicht mehr sehen konnten und ihnen so ihr Spiel erschwert zu haben.
  6. Überlegen, ob es wirklich SPIELzeug sein muss.
    Soll heißen: Wahrscheinlicher ist es oft, dass ihr das Gewünschte schon besitzt, nur ist es bisher nicht als Spielzeug deklariert. Beispiel Kinderküche. Wir haben Puppengeschirr und -besteck, kleine Töpfe, kleine Döschen, einen kleinen Puppenherd.
    Am liebsten spielen die Kinder aber mit unserem echten Geschirr (also, die Porzellanteller geben wir jetzt nicht unbedingt raus, aber die unzerstörbaren Untertassen sind genauso beliebt) auf einem umgedrehten Hocker.
    Unser Nachbarsbaby, das wir neulich zum Babysitten da hatten, hat hochkonzentriert Kastanien aus einem Schälchen in ein anderes sortiert, mitten in der Küche während wir gekocht haben – alle drei Kinder hatten Riesenspaß dabei (für uns Eltern war es auch praktisch, weil sie uns nicht zwischen den Beinen herumgelaufen sind, wir sie aber gleichzeitig im Blick hatten.
  7. „Gutes“ Spielzeug auswählen.
    Ja, das widerspricht jetzt dem Punkt „auf Wünsche warten“. Manches ist aber so vielseitig, dass es eine Bereicherung fürs Kinderzimmer sein kann (wenn man denn unbedingt Spielzeug haben / kaufen will). Wir finden z.B. die Auswahl der Lieblingsspielzeuge von Anja und Christian Von Guten Eltern sehr gut und können sie voll unterschreiben. Das sind auf jeden Fall Dinge, an denen die Kinder lange Freude haben werden (wenn ihr dabei die Vorlieben eurer Kinder berücksichtigt – unsere spielen ja z. B. wie gesagt nicht mit Tieren).

Wir sind gespannt auf Eure Erfahrungen und erweitern die Liste sehr gern!

0 Gedanken zu “Tipps fürs spielzeugfreie Kinderzimmer

  1. Ja, also… Da hab ich ein paar Schwierigkeiten mit.
    Zum Beispiel:
    Ich denke doch: Das Kind ist jetzt genau in dem Alter, in dem es dies und das lernt – dafür gibt es dieses perfekt entwickelte Spielzeug (z.B. ein Puzzle mit Griffen oder so). Das muss ich doch haben, sonst unterstütze ich die Entwicklung meines Kindes nicht richtig!
    Sowas denke ich dauernd. Das Kind braucht das, damit es sich auch ja um himmelswillen gut entwickelt und keinen Nachteil erleidet.
    Oder hier:
    Ich hatte so wahnsinnig viel Spaß mit der Eisenbahn, jahrelang. Die muss mein Kind einfach haben.
    Wenn es das nicht kennt, dann …dann kann es sich das doch auch nicht wünschen. Im schlimmsten Fall lässt es sich zuviel von Quatsch beeinflussen, und dann wünscht sich das Kind womöglich nur noch Disney und gar nicht all die schönen Spielsachen, die ich toll gefunden hätte. Es soll doch mit den „richtigen“ Sachen spielen. Pädagogisch wertvoll und so.
    Unter Freunden was zu verleihen, finde ich total gut. Das probieren wir bestimmt. Aber das Mieten finde ich recht teuer.
    Ich bin für eure Ratschläge dankbar, denn ich finde eigentlich auch, dass es zuviel ist. Bisher hat das Kind 3 (bzw.4) Fächer. Seid ihr sicher, dass das reicht, wenn es älter ist?
    Habt ihr keine Angst, eure Kinder zu wenig zu fördern?
    Ihr merkt, ich bin sehr hin- und hergerissen. Übrigens stehen zwei der Fächer voll mit Büchern. Ist das auch „Spielzeug“?
    Nochmal danke für euren Blog, das hilft mir viel beim Entscheiden 🙂

  2. Hey, deine Gedanken haben wir glaub ich alle, darum ist es ja auch so schwer, jedenfalls anfangs. Zu deinem ersten Punkt: Ich bin wirklich der Überzeugung, dass Babys kein Spielzeug für ihre Entwicklung brauchen. Sie können die Knöpfe deiner Jacke ertasten, sich ein herumliegendes Spucktuch zusammenknautschen und wenn sie erstmal krabbeln können, holen sie sich sowieso, was sie brauchen (ich sage nur Topfschrank).
    Und das bleibt eigentlich so. Unser Sohn z. B. hat schon mit wenigen Monaten eine unglaubliche Leidenschaft für Bälle entwickelt, die er sich bis heute bewahrt hat, ohne dass wir ihn jemals in irgendeiner Form dazu ermutigt hätten. Er spielt super Fußball, das hat er definitiv nicht von uns. Jahrelang habe ich mir außerdem Sorgen gemacht, weil er so gar kein Interesse an Musik zeigte (die mir sehr wichtig ist). Einige Monate vor seinem sechsten Geburtstag sagte er plötzlich, er wolle Cello lernen. WIr haben noch etwas abgewartet, aber als er 6 war haben wir ihn an der Musikschule angemeldet und er macht es wirklich toll und beständig. Ist aber auch wieder komplett selbst dazu gekommen.
    Die Kinder suchen sich ihre Leidenschaften selbst. Und übrigens auch viel freier, wenn sie nicht von uns beeinflusst werden.

    Ein bisschen erinnert mich das an eine Freundin, die sagte, sie würde ihre KInder nie in einen Waldkindergarten schicken. Auf meine Frage, warum nicht, sagte sie, die würden da ja gar nicht basteln lernen, weil sie nur draußen unterwegs seien. Es ist aber ganz klar belegt, dass Kinder beim Spiel in der Natur (mit der Natur) alles „nötige“ lernen und dass auch die Feinmotorik nicht zu kurz kommt.

    Zur Eisenbahn: Ja, so geht es sicher jedem. Und auch hier ist es wieder so, dass deine Kinder ganz eigene Menschen mit ganz eigenen Vorlieben sind. Was hab ich früher mit meiner Kinderküche gespielt oder mit dem Puppentheater. Das haben meine Kinder von mir schon bekommen, bevor sie richtig laufen konnte. Nie damit gespielt.

    Dein Argument, dass ein Kind sich etwas nicht wünschen kann, wenn es das nicht kennt, ist mir auch nicht fremd. Aber was sich meine Kinder alles wünschen, was sie mit Sicherheit nicht von mir haben, das geht auf keinen Wunschzettel! Je nach Alter gehen Kinder ja in andere Wohnung, nehmen Eindrücke aus dem Kindergarten mit oder begegnen anderen Spielsachen bei den Großeltern.

    Kinder fördern ist bei mir ein ganz großes Reizthema, eben weil ich der Meinung bin, dass sie sich selbst suchen, was sie brauchen. Ich finde, ich habe die Verantwortung, ihnen ihre Interessen zu ermöglichen. Aber ich muss bzw. darf ihnen nichts von außen aufdrängen, denn dadurch verlieren sie sich selbst aus den Augen. Genau wie ich meinem Kind auch nicht sagen kann, dass es satt ist bzw. Hunger hat, kann ich ihm auch nicht sagen, dass es mit diesem oder jenem jetzt spielen solle, da das in seine Entwicklungsphase passt.

    Mit älteren Kindern hat man sicherlich nie das Problem, zu wenig Spielzeug zu haben. Es ist aber so toll zu sehen, was aus ihrem Spiel wird, wenn sie nicht für jeden Zweck das passende Zeug haben. Sie werden kreativ, sie lernen neue Dinge (Knoten, Schleife, Kleben, Malen…) um sich ihr Spiel zu ermöglichen. Und manchmal entdecken sie auch ganz was neues – hier wird leidenschaftlich gekocht und gebacken, seit wir nicht mehr so viel Spielzeug haben.

    Ich werde bald mal einen Post dazu schreiben, wie die Kinder ohne Spielzeug spielen, hoffentlich hilft dir das noch ein bisschen bei deinen Fragen!

    Liebe Grüße, Paula

  3. Boah, super Antwort!
    Da habe ich wohl echt manchmal Tomaten auf den Augen, dennn klar: Das Kind liebt den Topfschrank, und damit habe ich ja auch ein Puzzle.
    Ich muss echt lernen, dieses nachgeformte kaufbare Spielzeug in seiner Ursprungsform hier im Haushalt zu erkennen. Wahrscheinlich ist die ganze Wohnung voll mit geeignetem Spielzeug.

    Mein Kind kommt übrigens auf jeden Fall in den Waldkindergarten (hoffentlich!) – da hab ich mal Praktikum gemacht, daher weiß ich, wie fabelhaft man mit-ohne Spielzeug spielen kann – und das den ganzen Tag!

  4. Ich finde euren Ansatz wirklich klasse und bin schwer am überlegen auch mal einen Versuch zu wagen. Nach dem 1. Geburtstag kurz vor Weihnachten und Weihnachten wurde meine kleine Lerche mit Spielzeug überhäuft (hieran trage ich definitiv eine große „Schuld“). Jetzt merken wir, dass sie die ganze Zeit durchs Zimmer flitzt und sich mit keiner Sache länger als ein paar Minuten beschäftigt :-/
    Mich würde jetzt nur euer Rat interessieren, wie würdet ihr die Spielzeugauswahl bei einer einjährigen gestalten, die ja so noch nicht ganz klar mitteilen kann welches Spielzeug sie aktuell bespielen will.

    Und dann würde mich noch interessieren, wie handhabt ihr das mit Büchern? Habt ihr diese auch weggepackt oder sind die bei euch ausgenommen?

  5. Ich finde euren Ansatz wirklich klasse und bin schwer am überlegen auch mal einen Versuch zu wagen.

    Mein kleines Lerchenmädchen ist kurz vor Weihnachten 1 geworden und wurde somit in den letzten Tagen mit Geschenken überhäuft (woran ich sicherlich eine große „Schuld“ habe).

    Jetzt merken wir, dass die Lerche nur noch durchs Zimmer flitzt und sich mit keiner Sache länger als 5 Minuten beschäftigt :-/

    Mich würde nun interessieren wie ihr hier vorgehen würdet bei der Spielzeugauswahl, da sie ja noch nicht so gut ausdrücken kann, was sie aktuell haben will…

    Und wie sieht es aus mit Büchern? Habt ihr die auch „beseitigt“ oder dürfen die bleiben?

    Was habt ihr denn mit großen Sachen, wie Schaukeltier etc gemacht?

    1. Liebe Lerchenmama, vielen Dank für Deine Gedanken. Ich rate Dir, das ganze langsam anzugehen und zu schauen, was für euch passt. Bei einem so kleinen Kind würde ich persönlich wahrscheinlich alles wegpacken und gucken, ob wir nicht vom Spielzeug wegkommen und stattdessen Alltagsgegenstände nutzen können (meine Kinder hätten früher ja in der Küche leben können…). Das gleiche bei Büchern – wenn ihr viel lest, dann bleiben sie natürlich. Fliegen sie nur rum (dein Kind ist ja auch noch nicht wirklich im Bücheralter), dann würde ich sie erstmal wegpacken. Wir haben, lange bevor wir das Spielzeug ausgeräumt haben, die Bücher so sortiert, dass die Kinder immer ca. 10 gut sichtbar am Bett hatten und der Rest war in Kisten oder oben im Bücherregal. Vorher konnten sie sich beim Vorlesen nie entscheiden und die Bücher wurden zum Teil auch wirklich nicht gut behandelt – das Problem war sofort passé.
      Bei den „großen Sachen“ – auch hier kommt es auf eure Situation an. Habt ihr einen geräumigen Dachboden? Dann stell es doch mal ein paar Wochen weg und guck, ob es ihr fehlt. Wenn du es wieder vorholst, wird es auf jeden Fall wieder interessant sein.
      Wir haben im Kinderzimmer eine Rutsche, die meistens abgebaut in der Ecke steht. Manchmal fragen die Kinder danach, dann wird sie einen Tag bespielt, danach kann sie wieder ab.
      Es gibt keine festen Regeln, schaut einfach, was euch das Leben erleichtert!

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