Bücher im spielzeugfreien Kinderzimmer

Viele Fragen, die uns zum Thema spielzeugfreies Kinderzimmer gestellt werden, drehen sich um die Bücher. Als Buchliebhaber (wir selbst sind auch bekennende solche) möchte man diese Leidenschaft natürlich an die Kinder weitergeben und Bücher sind, bis auf wenige Ausnahmen, auch gemeinhin als sehr gewinnbringend für die kindliche Entwicklung angesehen.

Bei uns gab es Bücher, sobald die Kinder Gegenstände in der Hand halten konnten, und zwar erstmal alle, an die wir uns aus unserer Kindheit noch erinnern konnten bzw. die es noch gab. Für mich ist ein Leben ohne Astrid Lindgren unvorstellbar und diese Leidenschaft habe ich auch erfolgreich an die Kinder weitergegeben. Die Großeltern schenken zuverlässig Kinderbücher aus der Reihe der Süddeutschen Zeitung oder aufgrund anderer Literaturempfehlungen und bis auf einen Reinfall hatten wir dabei sehr schöne Bücher und zum Teil echte Perlen.

Obwohl wir den Kindern von Anfang an große Achtung vor dem Buch einimpften (nicht in den Mund, nicht reißen usw.), flogen sie natürlich zum Teil doch im Kinderzimmer herum und wurden auch manchmal zerstört. Irgendwann wurde uns das abendliche Vorlesebuch-Aussuchen zu viel, denn es dauerte mittlerweile ewig und es wollten dann auch noch beide Kinder eine Geschichte aussuchen – also zwei Mal ewig!

Bis dahin hatten wir die Bücher in einem ganz normalen Bücherregal, das vom Bett aus erreichbar war. Für die Kinder war das ungünstig, denn es ist nicht immer so leicht, ein Buch allein am Buchrücken zu erkennen – ohne lesen zu können. Unsere zweite Aufbewahrungsidee waren große Holzisten, in denen die Bücher, wie früher die Schallplatten (jedenfalls bei uns zu Hause…) durchgeblättert werden konnten. Das war OK. Wir hatten zwei Kisten voll und dann noch einige kleinere Bücher, die in den Kisten untergegangen wären. Das Nonplusultra war es immer noch nicht und die Kinder brauchten abends eher noch länger, weil die Bücher besser zu sehen waren…

Unsere jetzige Lösung,  mit der alle im Haus sehr glücklich sind, sieht so ähnlich aus, wie unser Kinderzimmerkonzept generell: Alle Kinderbücher haben wir aus dem Kinderzimmer rausgenommen (und dabei einmal ordentlich durchsortiert, denn wir hatten auch so einige „Leichen“, die einfach nie angeschaut wurden). Jetzt stehen die Kinderbücher bei uns im großen Bücherregal (im Flur) – auf den unteren beiden Regalreihen und somit für die Kinder gut erreichbar aber – Achtung, Knackpunkt – außer Sichtweite im Kinderzimmer.

BücherregalIm Kinderzimmer gibt es ein Bücherregal, in dem die Bücher mit dem Cover nach vorne nebeneinander stehen, also alle jederzeit sichtbar sind. Es ist in der Vorlese- bzw. Kuschelecke angebracht – also genau an der Stelle, an der dann auch gelesen wird.  Im Kinderzimmer sind also ca. 10 Bücher. Wenn die Kinder sich neue Bücher holen, sortieren wir einige wieder ins große Regal. Und wenn uns Vorlesern die Auswahl langweilig wird, dann tauschen wir auch aus.

Das zweite Regal haben wir am Bett angebracht – da die Kinder bei uns mit im Bett schlafen, ist dieses Regal nicht im Kinderzimmer und die Bücher tauchen tagsüber sozusagen gar nicht auf. Auch hier tauschen wir nach gusto aus bzw. die Kinder bringen sich Bücher mit ins Bett und dafür nehmen wir dann manchmal ältere wieder ins große Regal im Flur.

Diese Lösung ist für uns perfekt – seitdem fliegen keine Bücher mehr rum, die wahren Schätze sind allen viel klarer und die Auswahl am Abend ist übersichtlich. Besonders schön ist auch, wenn einer ein sehr lange nicht mehr gelesenes Buch hervorholt – große Wiedersehensfreude!

Ein Wort noch zu unserem „großen Bücherregal“: Früher hatten wir den Traum einer riesigen Bücherwand mit all unseren Büchern. Wir kauften und wünschten uns tausende Bücher – manche zum Lesen, manche auch eher aus Prestige oder weil sie so schön aussahen. Da sich der Rest unserer Wohnsitutation nie diesem Traum der Bücherwand anpasste (sprich: Die Wohnungen waren einfach immer zu klein), mussten wir irgendwann aussortieren. Ich bin eine echte Leseratte und lese ein Buch an ein bis zwei Abenden durch. Von Urlauben gar nicht zu reden. Ja, trotz Kindern. Es waren also wirklich eine Menge Bücher, aber es gab nur wenige davon, die ich wirklich nochmal lesen oder anschauen würde. Alle anderen kamen weg (momox.de…) und L. schenkte mir einen Kindle. Fand ich erst nicht so toll – man muss das Buch doch anfassen können! Es gibt auch immer noch Bücher, die ich mir als echtes Buch kaufe. Aber die meisten, diese „Ein Mal Lesen und dann nie wieder“-Bücher, die sind nach einige Eingewöhnung super auf dem E-Book-Reader.
Insofern haben wir jetzt zwei Billy-Regale, in denen die Bücher der ganzen Familie drin sind. Und wir müssten mal wieder aussortieren…

 

Unsere Lieblingsbücher

Für alle Interessierten, einige (!) unserer Lieblingsbücher sind diese hier (grob nach Alter geordnet):

  • Gute Nacht,  Gorilla (Peggy Rathmann)
    Dieses Buch bekamen wir von Freunden zum ersten Geburtstag des ersten Kindes und verschenken es seitdem zuverlässig zu ersten Geburtstagen. Ein sehr süßes Buch ohne Text mit viel subtilem zum Entdecken und Witz (für die Eltern).
  • Der Grüffelo (Julia Donaldson, Axel Scheffler)
    Ein Klassiker unter den neuen Kinderbüchern. Manchmal lesen wir mit verstellten Stimmen, manchmal sprechen die Kinder den Text vor – immer wieder schön!
  • He Duda (Jon Blake, illustriert auch von Axel Scheffler)
    Einfach ein lustiges Buch und wir mögen die Scheffler-Illustrationen sehr.
  • Astrid Lindgren – alles (altersmäßig noch nicht gelesen haben wir „Die Brüder Löwenherz“ und „Mio, mein Mio“)
  • Eine Dose Kussbonbons (Michel Gay)
    (schön vor der ersten KiTa-Fahrt oder Übernachtung bei den Großeltern)
  • Das beste überhaupt – Meerschwein sein (Lorenz Pauli)
    Wunderschöne Bilder, eine herrliche Geschichte, pädagogisch wertvolle Moral und überhaupt: Meerschweine!
  • Janosch. Ähnlich wie Astrid Lindgren. Wir mögen am liebsten den kleinen Bär und den kleinen Tiger, aber auch das „Regenauto“ finden die Kinder z. B. super. Beim Vorlesen stolpert man manchmal über die Janosch-Sätze, aber die Kinder hat’s bisher noch nicht gestört.
  • Dunkel (Lemony Snicket)
    Erstmal dachte ich, oh, was haben sich die Großeltern denn nun gedacht??? Dunkelheit steht hier nicht so hoch im Kurs… Muss man ja nicht unbedingt noch ein unheimliches Buch drüber vorlesen!
    Beim ersten Lesen hatten wir (und die Kinder) etwas gemischte Gefühle, wo das denn nun hinführen soll), aber dann ist es eine so schöne Geschichte über „Das Dunkel“, das wir sie nun sehr gerne und oft lesen.
  • Frerk, du Zwerg (Finn-Ole Heinrich)
    Total abstrus, aber die Kinder liegen regelmäßig vor Lachen auf dem Boden!
  • und viele, viele mehr. Wir lassen euch in Zukunft mal teilhaben, was wir gerade lesen!