Unser Adventskalender

Ein heißes Thema ist aktuell in der Spielzeugfrei-Facebook-Gruppe der Adventskalender. Soll es überhaupt einen geben, wenn ja, einen mit Süßigkeiten oder – aaah – Spielzeug bzw. Kleinkram oder einen mit Erlebnissen und Aktivitäten…

img_20161124_142748Vielleicht erinnert ihr euch noch vom letzten Jahr, dass wir ja bereits einiges an Ideen durch haben. Angefangen mit richtigen Päckchen, die an einer Schnur aufgehängt wurden, schraubten wir uns jedes Jahr etwas weiter runter. 2014 gab es den Weihnachtsbaum, an dem der Schmuck eingepackt hing, von den Kindern dann jeden Tag stückweise ausgepackt und wieder angehängt wurde. 2015 hatten wir die Vorlesegeschichten und eine 24-Tage-Kerze. Die Kindern fanden es wunderbar und haben Geschenke nie vermisst. Süßigkeiten gibt es in der Weihnachtszeit sowieso an jeder Ecke, da kamen sie also auch nicht zu kurz.

Bestärkt durch die Erfahrungen der letzten Jahre sind wir dieses Jahr also Ursprungs-Adventskalender angelangt, sozusagen. Jedes Kind bekommt einen Bilderkalender.

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Ich muss vorweg zugeben, dass es neben den heeren minimalistischen Gründen tatsächlich auch etwas die Faulheit (gibt es da vielleicht ein netteres Wort für? Ich schaffe es einfach gerade nicht, selbst zu basteln, liebe Kleinigkeiten in verschiedenen Lädchen zusammen zu suchen und für jedes Kind einzeln und liebevoll zu verpacken). Das ist aber nur ein Teil. Ich habe mich im Zuge der Gedanken über den Adventskalender darauf besonnen, was er ursprünglich mal darstellen sollte und was auch den Zauber der Weihnachtszeit für die Kinder darstellt: Es ist das Warten auf Weihnachten, das Abzählen der Tage. Die kleinere Kinder lernen ja gerade erst, Zeiträume zu überblicken. „Eine Woche“ sagt ihnen nichts, manchmal fällt es noch schwer, den Mittagsschlaf vom Nachtschlaf zu unterscheiden. Wenn wir also sagen „noch 24 Tage bis Weihnachten“ oder „noch 24 mal schlafen“, dann hilft der Adventskalender den Kindern, diese Zahl begreifbar zu machen.

img_20161124_142731Dafür braucht es keine Geschenke oder Schokolade, sondern eigentlich nur ein Medium. Es könnte auch eine Strichliste sein (vielleicht auch eine Idee! Muss es immer etwas zum Wegnehmen oder aufmachen sein? Man könnte die Kinder ja auch etwas anhängen oder anmalen lassen…).

Bei unserem Herbsturlaub fand ich mich in einem kleinen Lädchen in Quedlinburg im Harz, so ein Kramlädchen, das schon komplett auf Weihnachten eingestellt war. Meine Tochter und ich gingen hinein und waren beide sofort verzaubert von dem Glitzer, den schönen Bildern und eben den Adventskalendern. Da bin ich also heimlich nochmal zurückgegangen und habe einen für jeden gekauft – riesengroß, mit Glitzerstaub und viel Nostalgie… wir werden es lieben. Und ich glaube, eine weihnachtliche Geschichte lesen wir trotzdem jeden Morgen, denn Frühstück bei Kerzenschein und in Ruhe macht einen schönen Start in den Tag.

Spielzeugfreier Adventskalender

Der Adventskalender…  eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen! Meine Mutter hat uns jedes Jahr einen wunderschönen Kalender gebastelt mit wunderbaren Kleinigkeiten. Noch heute erzählt sie von unserer Waldorfkindergartenzeiten, als sie 48 Walnüsse bruchfrei knacken, gold lackieren und dann mit Kleinigkeiten befüllen musste. Wir hatten ein paar Jahre ein Weihnachtsdorf aus nummerierten Papphäusern, mit Watteschnee dekoriert und drunter lagen die Adventsinhalte. Päckchen an langen Schnüren aufgehängt hatten wir, glaube ich, meistens. Drinnen waren Stempel, kleine Döschen, manchmal etwas „Großes“ wie Kinokarten, manchmal Süßigkeiten. Wir haben es geliebt. Mein Bruder und ich hatten, glaube ich, jeder einen. Jedenfalls kann ich mich nicht an Streit erinnern. Nur an dieses furchtbare nicht-vorher-reingucken-Dürfen.

Dann kam unser Sohn auf die Welt und im ersten Jahr (da war er drei Monate) habe ich mich noch zurückgehalten. Im nächsten Jahr hat er dann seinen ersten Adventskalender bekommen – ein Steckspiel, von dem er Tag für Tag ein Teil bekam. Er hat natürlich die Bedeutung überhaupt nicht verstanden (und ehrlich gesagt auch mit dem Steckspiel nie gespielt). Dann kam seine Schwester auf die Welt und seitdem stehen wir jedes Jahr vor Entscheidungen wie

  • ein gemeinsamer Kalender oder für jeden einen?
  • Welche Kleinigkeiten können rein, die nachher nicht nur im Zimmer rumfliegen?
  • Wie befüllen wir ihn ohne uns finanziell zu ruinieren?
  • Wie vermeiden wir Streit und es bekommt trotzdem jeder, was ihm Freude macht?
  • Muss es wirklich in der Weihnachtszeit jeden Tag ein Geschenk oder Süßkram geben?

Egal wie wir uns entschieden haben, die Kinder geiferten auf die Geschenke, stritten sich darum, wer das Päckchen abschneiden / Tütchen oder Türchen öffnen durfte, wer welche Farbe bekam und waren generell ab Mitte November unausstehlich durch die ständige Zuckerzufuhr. Am Nikolaustag bekamen sie von uns einen moderat gefüllen Nikolausstiefel, in der KiTa nochmal einen Schokoweihnachtsmann und Klein-Schokolade, an der Türklinke hing eine Süßigkeitentüte von der Nachbarin und dann kam auch noch ein Nikolauspaket (PAKET!) von den Großeltern. Nikolaus – nicht Weihnachten! Wir waren alle etwas geplättet. Letztes Jahr entschlossen wir uns, nicht länger mitzumachen und zurückzurudern.

Der Adventskalender ist doch ursprünglich dafür da gewesen, die Zeit bis Weihnachten sichtbar zu machen. Jeden Tag ein Türchen öffnen – und waren dahinter nicht mal Bildchen? Ein kleines Stück Schokolade? Den Kalender sozusagen greifbar machen für Kinder, die noch nicht wirklich ein Zeitgefühl haben. Für die „noch 24 Mal schlafen“ vielleicht noch etwas unüberschaubar ist.

Wo kommen diese Geschenke plötzlich her?

Im letzten Jahr haben wir unseren ersten spielzeug- und Süßkramfreien Adventskalender ausprobiert und es war toll. Wir hatten schon vor dem ersten Dezember unseren Weihnachtsbaum gekauft (sonst immer erst kurz vor Weihnachten und dann hatten wir ihn so schnell über, deshalb wollten wir ihn diesmal länger genießen) und daran 24 Päckchen gehängt. In den Päckchen war ganz einfach unser Weihnachtsbaumschmuck. Die Kinder packten also jeden Tag eines aus und durften den Inhalt an den Baum hängen. Am 24. gab es natürlich die Spitze. Zusätzlich (wir hatten Angst es sei „zu wenig“…!!!) hatten wir einen Geschichtenkalender gekauft. Jeden Morgen konnten sie eine Seite umblättern und eine fortlaufende Geschichte wurde weitererzählt.

Sie haben nie nach Geschenken gefragt.

Unser Adventskalender in diesem Jahr

Unser Plan für dieses Jahr vor der Entscheidung zum spielzeugfreien Kinderzimmer sah soh aus: Durch Zufall hatte ich vor einigen Wochen in einem Lädchen einen kleinen Zettel-Adventskalender entdeckt und spontan mitgenommen, sozusagen als Gedankenstütze.

IMG_20151120_094545Die Idee ist, jeden Tag etwas à la „Heute darfst du…“, „Heute mach ich für dich…“ einzutragen. Da die Wortwahl nicht so gut zu unserer Familie passt (so ein gnädiges Erlauben machen wir eher nicht. Was verboten ist, ist aus gutem Grund verboten. Auch in der Adventszeit, dürfen die Kinder nicht plötzlich ohne Helm fahren, auf die Straße laufen oder beim Essen auf dem Tisch rumspringen…), wollten wir auf dieser Idee aufbauend unsere eigenen Zettel basteln und darauf Aktivitäten ankündigen (auf den Weihnachtsmarkt gehen, Weihnachtsbaum schlagen, Krippe aufstellen, Kekse backen, Kuschelparty etc.). Ihr seht schon: Dinge, die wir sowieso machen würden ;). So würden wir die Tage runterzählen, schöne Zeit miteinander verbringen , hätten nichts was geteilt oder ausgesucht werden muss und würden hoffentlich eine wirklich besinnliche Weihnachtszeit verbringen.

Im Zuge unserer Überlegungen zur Spielzeugreduktion und den wirklich schönen, bisher spürbaren Effekten (mehr Ruhe und Fokus, weniger Streit, kreativeres Spiel) haben wir aber beschlossen, den Adventskalender dieses Jahr auch auf das Wesentliche zu reduzieren. Das Wesentlich für uns bedeutet: Tage zählen und den Zauber der Weihnachtszeit genießen. Wir haben eine große Kerze, die jeden Tag ein Stück weiter herunterbrennt und so jeden verflossenen Tag sichtbar macht. Und wir werden wieder jeden Morgen eine Geschichte (dieses Jahr Weihnachtsgeschichten von unserer Lieblingsschriftstellerin Astrid Lindgren) bei Kerzenschein am Frühstückstisch lesen.

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Denn das ist es, was unsere Kinder am allerschönsten in der ganzen Advents- und Weihnachtszeit finden: Kerzen, Teetrinken am Adventskranz, Vorlesen, Kuscheln bei Kerzenschein, ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt und die (Vor-) Freude auf und über diese zauberhafte Jahreszeit.

Weitere Ideen für spielzeugfreie Adventskalender

  • Eine sehr schöne Idee, bei der auch das gemeinsame sinnliche Erleben der Weihnachtszeit im Vordergrund steht, ist diese hier von Naturmama: Sie hat Märchentitel oder Gedichte auf kleine Zettelchen in Walnüssen versteckt und die Familie mit drei Kindern wird jeden Tag ein Märchen / Gedicht lesen.Das kann man genauso gut mit Lieder machen oder Spielen oder, oder, oder…
  • Bei Einfach klein gab es neulich den Adventskalender „Heute hab ich Zeit für Dich!“ zu gewinnen, der natürlich auch käuflich zu erwerben ist: http://www.briefgestoeber.de/shop/ratgeber-familie/
  • Der gute alte Schokoladen-Adventskalender ist auch kein Teufelswerk. Wenn es bei dem Ministückchen Schokolade bleibt, ist es eine sehr schöne Art, sich den Advent zu versüßen. Hier gibt es sogar einen veganen Adventskalender ohne Zucker: http://www.zukono.de/plamil-xylit-schokolade-adventskalender.html.
  • Und nicht zuletzt: Der Bildchenkalender. Möglicherweise der älteste und auch mit einem ganz besonderen Zauber.

Übrigens: Es ist meiner Meinung nach wirklich nicht nötig, schon bei Einjährigen mit einem Adventskalender zu beginnen (gleiches gilt übrigens für Geburtstagsfeiern, doch dieses Lied singen wir an einem anderen Tag). Bei uns hätte es locker genügt, mit 3 oder 4 Jahren damit anzufangen (bei jüngeren Geschwistern ist das natürlich etwas anderes).

Wie begeht ihr die Adventszeit? Orientiert ihr euch an eigenen Erinnerungen oder seid ihr dabei,  ganz neue Familientraditionen zu schaffen,  an die sich  eure Kinder später liebevoll zurückerinnern werden?