Spielzeugfrei und Frühförderung

Frühförderung (1)

Die Spielzeugflut in den Kinderzimmern hat, so zeigen Gespräche mit und Kommentare von Eltern sowie unseren eigene Erfahrungen, in fast allen Familien eigentlich die gleichen Gründe. Oder besser gesagt: Der Versuch, das Spielzeug zu reduzieren scheitert an den gleichen Gründen. Das sind bei nahezu allen Familien die Großeltern oder, etwas neutraler formuliert, die Schenkenden (es sind aber wirklich meistens die Großeltern…). Die andere große Hürde sind die Eltern selbst und hier oft ihre Angst, den Kindern ohne Spielzeug etwas Wichtiges vorzuenthalten. Stichwort: Frühförderung!

Ich erinnere mich noch sehr gut, als eine Mutter aus unserer Krabbelgruppe bei der zweiten Geburtstagsfeier ihres Sohnes ihr Geschenk – ein Puzzle – damit kommentierte, er möge das zwar nicht, aber er müsse ja nun mal langsam puzzeln lernen. Ich weiß noch, wie verwundert ich damals war. Puzzeln stand bei M. damals sowas von überhaupt nicht auf dem Plan (das kam erst viel später und auch dann nur kurz) und ich hatte tatsächlich kurz Angst: Huch, er muss jetzt puzzeln können? Haben wir was verpasst??? Ich hab es dann für mich abgeschrieben und das Kind ist auch so glücklich 6 geworden und kann jetzt puzzeln. Andere (feinmotorische) Dinge kann er aber viel besser – z. B. superkrasse Flugzeuge ohne Anleitung aus Lego bauen oder mit dem Schnitzmesser umgehen.

WaldEine andere Begebenheit war eine Freundin von mir, die sagte, sie „könne“ ihre Kinder nie in eine Waldkita geben (immer unser Traum gewesen), weil sie da ja nicht lernen würden, mit Scheren umzugehen, zu malen, basteln usw. Das habe ich nun schon damals nicht verstanden, denn erstens haben die Kinder ja durchaus noch ein Leben außerhalb der KiTa und außerdem geht es z. B. beim Schneiden ja nicht nur um das Üben mit der Schere selbst, sondern vor allem um die nötige Feinmotorik und das vernetzte Denken, das sie aber wunderbar im Wald lernen – beim Basteln mit Stöcken, beim Aufschichten von Steinen und, und, und…

Wie dem auch sei – es gibt also oft Gelegenheiten, bei denen vielen Gedanken à la „Aber lernt mein Kind dann genug?“ kommen. Ich bin, wie ihr wisst, überzeugte Verfechterin der These, das Kinder alles aus sich selbst heraus lernen. Natürlich nicht in einem leeren und anregungslosen Raum. Aber sie brauchen kein Puzzle um puzzeln zu lernen, sie brauchen keinen Steckkasten, um Formen zu begreifen und sie brauchen mit Sicherheit kein Spielzeug um sich drehen, krabbeln, laufen, greifen usw. zu lernen. Sie brauchen Alltag. Alltagsgegenstände. Vorbilder – Kinder wie Erwachsene. Sie brauchen Möglichkeiten, (sich) auszuprobieren, Fehler zu machen und selbst daraus zu lernen, ohne dass wir ihnen sofort sagen dass A) das jetzt gerade falsch war und B) sie es folgendermaßen besser machen können.

Was heißt das nun für spielzeugfrei? Bleiben die Kinder hinter ihren Altersgenossen auf der Strecke, weil sie kein Spielzeug haben?

Erstmal: Wohl die wenigsten haben wirklich KEIN Spielzeug. Es geht ja, auch bei uns, eher um das Reduzieren.

Spielzeugfrei macht kreativer. Das wurde im spielzeugfreien Kindergarten beobachtet, das erzählen Familien, die ebenfalls reduziert haben, das beobachten wir bei unseren Kindern und es macht irgendwie auch einfach Sinn. Wenn nicht alles vorgekaut da liegt, macht man sich selber Gedanken – ganz einfach.

Das Schöne am spielzeugfreien Kinderzimmer ist, dass die Kinder nach ihrem Interesse spielen können, ohne Vorgaben, mit Dingen ihrer Wahl und in dem Themenbereich, der sie gerade beschäftigt. Ich bin sicher, sie lernen eher mehr als andere Kinder mit einem vollen Kinderzimmer. Das Plus ist die Kreativität – es ist eben nicht alles gleich verfügbar, manches muss man sich erst überlegen und basteln und dabei nochmal diverse andere Fähigkeiten anwenden.

Was, wenn mein Kind dann mit manchen Dingen gar nicht mehr spielt, wenn ich sie wegräume?

Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit passieren. Denn die meisten ihrer Spielzeuge haben sich eure Kinder nicht selbst ausgesucht. Würdet ihr Kleidung anziehen, die euch jemand anders in den Schrank gelegt hat?

Was ihr nicht befürchten müsst ist, dass die Kinder Spielzeug, das weggeräumt wurde, vergessen. Ganz sicher nicht. Beispiele? Gerne!

Unsere Kinder haben einige Puzzle. Sie haben früher mal ein bisschen gepuzzelt, so richtig den Drive hatten sie dabei aber nie. Sie liegen im Schrank und sehen nie das Tageslicht. Bis neulich – da holten sie sie plötzlich raus und puzzelten ohne Pause. Ziemlich schnell war mir klar, dass für M. die meisten Puzzle plötzlich zu leicht waren und wir kauften ihm ein neues, schwereres, das er dann oft puzzelte. Dann verschwanden sie wieder im Schrank und liegen da seitdem. Bis zum nächsten „Anfall“. Außer Sicht, aber nicht vergessen.

Noch ein Beispiel: M. hat Buchstabenstempel. Irgendwann mal, ich glaube zum 4. Geburtstag gekriegt. Haben ihn bisher nie wirklich interessiert, aber neulich hat er sich morgens stundenlang damit beschäftigt und alle Worte gestempelt, die er schon irgendwie buchstabieren konnte.

Dass dann (teure) Spielzeuge ungenutzt im Schrank bleiben ist, wie so oft, eher euer Problem…

Ein sehr schönes Buch zum Thema Frühförderung ist übrigens „Die Kindheit ist unantastbar: Warum Eltern ihr Recht auf Erziehung zurückfordern müssen“ von Herbert Renz-Polster.

Alles von dem wunderschlauen Menschen Gerald Hüther ist ebenfalls sehr lesens- und hörenswert und wird, wenn ihr ihn noch nicht kennt, Eure Ansichten in Bezug auf Lernen und Entwicklung revolutionieren.

 Wie seht ihr das? Freut ihr euch am leeren Zimmer und an jedem Spielzeug, das aussortiert wird, oder schwingt eher Beunruhigung mit?
Spielzeugfrei bei uns heißt:
Wir haben alles Spielzeug aus dem Kinderzimmer herausgenommen, es ist für die Kinder aber jederzeit rückholbar. Unsere Anfangsregel „Jeder darf 3 Spielzeuge im Zimmer behalten und von Zeit zu Zeit austauschen“ wird relativ lax gelebt. Oft wird nur eine Sache gewünscht, manchmal wochenlang nicht getauscht, und manchmal möchten die Kinder mehr als drei Dinge haben. Da es uns nicht um das Durchsetzen von Regeln, sondern um ein harmonisches Miteinander geht, schieben wir keine Riegel vor. Die Kinder haben in den ersten Wochen selbst gesehen, wie viel besser es ihnen im „leeren“ Zimmer geht und wollen selten viele Spielzeuge zur gleichen Zeit haben. Das Tauschen macht ihnen Spaß und hilft ihnen, sich besser auf ihre gegenwärtigen Spielzeuge zu konzentrieren.
Für uns war diese Methode wesentlich gangbarer, als ein endgültiges Aussortieren von Spielzeugen. So konnten die Kinder problemlos ihr Zeug wegräumen, da sie wussten, sie können es theoretisch jederzeit wieder haben.

Bücher im spielzeugfreien Kinderzimmer

Viele Fragen, die uns zum Thema spielzeugfreies Kinderzimmer gestellt werden, drehen sich um die Bücher. Als Buchliebhaber (wir selbst sind auch bekennende solche) möchte man diese Leidenschaft natürlich an die Kinder weitergeben und Bücher sind, bis auf wenige Ausnahmen, auch gemeinhin als sehr gewinnbringend für die kindliche Entwicklung angesehen.

Bei uns gab es Bücher, sobald die Kinder Gegenstände in der Hand halten konnten, und zwar erstmal alle, an die wir uns aus unserer Kindheit noch erinnern konnten bzw. die es noch gab. Für mich ist ein Leben ohne Astrid Lindgren unvorstellbar und diese Leidenschaft habe ich auch erfolgreich an die Kinder weitergegeben. Die Großeltern schenken zuverlässig Kinderbücher aus der Reihe der Süddeutschen Zeitung oder aufgrund anderer Literaturempfehlungen und bis auf einen Reinfall hatten wir dabei sehr schöne Bücher und zum Teil echte Perlen.

Obwohl wir den Kindern von Anfang an große Achtung vor dem Buch einimpften (nicht in den Mund, nicht reißen usw.), flogen sie natürlich zum Teil doch im Kinderzimmer herum und wurden auch manchmal zerstört. Irgendwann wurde uns das abendliche Vorlesebuch-Aussuchen zu viel, denn es dauerte mittlerweile ewig und es wollten dann auch noch beide Kinder eine Geschichte aussuchen – also zwei Mal ewig!

Bis dahin hatten wir die Bücher in einem ganz normalen Bücherregal, das vom Bett aus erreichbar war. Für die Kinder war das ungünstig, denn es ist nicht immer so leicht, ein Buch allein am Buchrücken zu erkennen – ohne lesen zu können. Unsere zweite Aufbewahrungsidee waren große Holzisten, in denen die Bücher, wie früher die Schallplatten (jedenfalls bei uns zu Hause…) durchgeblättert werden konnten. Das war OK. Wir hatten zwei Kisten voll und dann noch einige kleinere Bücher, die in den Kisten untergegangen wären. Das Nonplusultra war es immer noch nicht und die Kinder brauchten abends eher noch länger, weil die Bücher besser zu sehen waren…

Unsere jetzige Lösung,  mit der alle im Haus sehr glücklich sind, sieht so ähnlich aus, wie unser Kinderzimmerkonzept generell: Alle Kinderbücher haben wir aus dem Kinderzimmer rausgenommen (und dabei einmal ordentlich durchsortiert, denn wir hatten auch so einige „Leichen“, die einfach nie angeschaut wurden). Jetzt stehen die Kinderbücher bei uns im großen Bücherregal (im Flur) – auf den unteren beiden Regalreihen und somit für die Kinder gut erreichbar aber – Achtung, Knackpunkt – außer Sichtweite im Kinderzimmer.

BücherregalIm Kinderzimmer gibt es ein Bücherregal, in dem die Bücher mit dem Cover nach vorne nebeneinander stehen, also alle jederzeit sichtbar sind. Es ist in der Vorlese- bzw. Kuschelecke angebracht – also genau an der Stelle, an der dann auch gelesen wird.  Im Kinderzimmer sind also ca. 10 Bücher. Wenn die Kinder sich neue Bücher holen, sortieren wir einige wieder ins große Regal. Und wenn uns Vorlesern die Auswahl langweilig wird, dann tauschen wir auch aus.

Das zweite Regal haben wir am Bett angebracht – da die Kinder bei uns mit im Bett schlafen, ist dieses Regal nicht im Kinderzimmer und die Bücher tauchen tagsüber sozusagen gar nicht auf. Auch hier tauschen wir nach gusto aus bzw. die Kinder bringen sich Bücher mit ins Bett und dafür nehmen wir dann manchmal ältere wieder ins große Regal im Flur.

Diese Lösung ist für uns perfekt – seitdem fliegen keine Bücher mehr rum, die wahren Schätze sind allen viel klarer und die Auswahl am Abend ist übersichtlich. Besonders schön ist auch, wenn einer ein sehr lange nicht mehr gelesenes Buch hervorholt – große Wiedersehensfreude!

Ein Wort noch zu unserem „großen Bücherregal“: Früher hatten wir den Traum einer riesigen Bücherwand mit all unseren Büchern. Wir kauften und wünschten uns tausende Bücher – manche zum Lesen, manche auch eher aus Prestige oder weil sie so schön aussahen. Da sich der Rest unserer Wohnsitutation nie diesem Traum der Bücherwand anpasste (sprich: Die Wohnungen waren einfach immer zu klein), mussten wir irgendwann aussortieren. Ich bin eine echte Leseratte und lese ein Buch an ein bis zwei Abenden durch. Von Urlauben gar nicht zu reden. Ja, trotz Kindern. Es waren also wirklich eine Menge Bücher, aber es gab nur wenige davon, die ich wirklich nochmal lesen oder anschauen würde. Alle anderen kamen weg (momox.de…) und L. schenkte mir einen Kindle. Fand ich erst nicht so toll – man muss das Buch doch anfassen können! Es gibt auch immer noch Bücher, die ich mir als echtes Buch kaufe. Aber die meisten, diese „Ein Mal Lesen und dann nie wieder“-Bücher, die sind nach einige Eingewöhnung super auf dem E-Book-Reader.
Insofern haben wir jetzt zwei Billy-Regale, in denen die Bücher der ganzen Familie drin sind. Und wir müssten mal wieder aussortieren…

 

Unsere Lieblingsbücher

Für alle Interessierten, einige (!) unserer Lieblingsbücher sind diese hier (grob nach Alter geordnet):

  • Gute Nacht,  Gorilla (Peggy Rathmann)
    Dieses Buch bekamen wir von Freunden zum ersten Geburtstag des ersten Kindes und verschenken es seitdem zuverlässig zu ersten Geburtstagen. Ein sehr süßes Buch ohne Text mit viel subtilem zum Entdecken und Witz (für die Eltern).
  • Der Grüffelo (Julia Donaldson, Axel Scheffler)
    Ein Klassiker unter den neuen Kinderbüchern. Manchmal lesen wir mit verstellten Stimmen, manchmal sprechen die Kinder den Text vor – immer wieder schön!
  • He Duda (Jon Blake, illustriert auch von Axel Scheffler)
    Einfach ein lustiges Buch und wir mögen die Scheffler-Illustrationen sehr.
  • Astrid Lindgren – alles (altersmäßig noch nicht gelesen haben wir „Die Brüder Löwenherz“ und „Mio, mein Mio“)
  • Eine Dose Kussbonbons (Michel Gay)
    (schön vor der ersten KiTa-Fahrt oder Übernachtung bei den Großeltern)
  • Das beste überhaupt – Meerschwein sein (Lorenz Pauli)
    Wunderschöne Bilder, eine herrliche Geschichte, pädagogisch wertvolle Moral und überhaupt: Meerschweine!
  • Janosch. Ähnlich wie Astrid Lindgren. Wir mögen am liebsten den kleinen Bär und den kleinen Tiger, aber auch das „Regenauto“ finden die Kinder z. B. super. Beim Vorlesen stolpert man manchmal über die Janosch-Sätze, aber die Kinder hat’s bisher noch nicht gestört.
  • Dunkel (Lemony Snicket)
    Erstmal dachte ich, oh, was haben sich die Großeltern denn nun gedacht??? Dunkelheit steht hier nicht so hoch im Kurs… Muss man ja nicht unbedingt noch ein unheimliches Buch drüber vorlesen!
    Beim ersten Lesen hatten wir (und die Kinder) etwas gemischte Gefühle, wo das denn nun hinführen soll), aber dann ist es eine so schöne Geschichte über „Das Dunkel“, das wir sie nun sehr gerne und oft lesen.
  • Frerk, du Zwerg (Finn-Ole Heinrich)
    Total abstrus, aber die Kinder liegen regelmäßig vor Lachen auf dem Boden!
  • und viele, viele mehr. Wir lassen euch in Zukunft mal teilhaben, was wir gerade lesen!

Spielzeug der Woche am 14. Februar 2016

Die „Spielzeug der Woche“-Rubrik können wir ja gar nicht so regelmäßig posten, wie ich mir das ursprünglich gedacht hatte, weil die Kinder sich nicht brav sonntags neues Spielzeug aussuchen, sondern manchmal wochenlang gar nicht wechseln und manchmal drei Mal die Woche neues Spielzeug wollen. Heute haben wir aber mal wieder richtig aufgeräumt (das machen wir immer dann, wenn der Staubsauger mal durch MUSS) und in dem Zug auch alles Spielzeug wieder weggeräumt und die Kinder dann neu aussuchen lassen. Das geht mittlerweile wirklich fix. DSCN6648 Heute gingen nochmal ein paar Kisten in den Keller, die seit Monaten wirklich gar nicht mehr gefragt sind – das sind bei uns die Tiere (also Schleichtiere, gehäktelte Tiere, Duplo und Playmo und sowas), die Duplosteine (sind inzwischen komplett von Lego verdrängt) und außerdem die Duplo-Eisenbahn. Damit haben wir im Zimmer mittlerweile eine extrem übersichtliche Anzahl von Kisten mit Spielzeug auf dem Schrank (unser Platz für Spielzeug, das aktuell nicht gefragt ist). DSCN6653 Wie ihr seht, gibt es folgende Kisten:

  • Kuscheltiere
  • Puppen
  • Autos (unbeschriftet, Schild ist wohl abgefallen, seh ich jetzt erst 😉
  • Playmobil

Dazu stehen, quasi als Deko, noch das große Baumhaus, ein Piratenschiff und eine Ritterburg im Kinderzimmerregal. Die stehen so hoch, dass sie nicht einfach so heruntergenommen werden und sehen schön aus 🙂 DSCN6652 Im Schrank selber sind noch die Gesellschaftsspiele, zwei ferngesteuerte Autos, die eher in der sonnigen (trockenen) Jahreszeit ihren Auftritt haben und hinter den Glastüren ist altes Spielzeug aus meiner und L.s Kindheit (eher so Museumscharakter). In unserem Schlafzimmer steht noch eine Kommode mit

  • Kinderküchensachen
  • Taschen, Tüchern und Decken
  • Krimskrams

Das war’s. Und aktuell im Zimmer hat M. mittlerweile dauerhaft sein Lego – das räumen wir gar nicht mehr außer Reichweite, weil er immer damit spielt. DSCN6651 E. hatte sich heute ihre Babypuppe und eine ganz kleine, mit der sie eher selten spielt, die aber heute tagsüber immer Gesprächsthema bei den Kindern war, gewünscht. Da ich beim Aufräumen auch noch M.s selbstgebautes Holzflugzeug auf dem Regal abgestellt hatte, waren sie schnell vertieft im Spiel – die Puppen durften im Zimmer herumfliegen… DSCN6650 Die typische Reaktion der Kinder nach dem Komplettaufräumen ist übrigens IMMER Jubelgeschrei und dann Getobe, weil so viel Platz zum Springen im Zimmer ist.

Wie viel Spielzeug braucht ein Kind?

Neulich erreichte mich ein Kommentar „Meine Einjährige hat wenig Spielzeug, aber so ganz ohne geht es doch nicht, sie kann ja noch nichts selber basteln oder Rollenspiele spielen“. Das stimmt, das geht mit so Kleinen natürlich nicht. Aber ganz ehrlich: Meine Kinder wollten in dem Alter eigentlich immer bei mir bzw. ihrem Papa sein und mit allem spielen, was wir gerade hatten. Schneebesen, Handy (aaaahhh), Topfschrank ausräumen, Schüsseln stapeln…

Dass sie wirklich alleine spielen, das hat so viel später angefangen. Jetzt sind sie 4 und 6 und JETZT erst (na gut, seit einigen Monaten) sitzen L. und ich am Wochenende manchmal nach dem Frühstück in der Küche und denken uns, hey, jetzt könnte man glatt Zeitung lesen!

Wie schon früher gesagt, würde ich mit Spielzeug wirklich warten, bis sich die Kinder Dinge wünschen. Das ist schwierig, wirklich schwierig, ich weiß. Der größte Feind des spielzeugfreien Kinderzimmers sind tatsächlich die Eltern, das wird mir immer klarer. Natürlich sortieren Kinder nicht gerne aus und sie räumen auch nicht gerne auf. Aber wir reden hier meistens über 2 – 6-jährige. So kleine Kinder sind alles, nur nicht verantwortlich dafür, wie es in ihrem Zimmer aussieht. Die meisten Dinge darin, haben sie nie haben wollen. Sie haben sie einfach bekommen, weil wir Eltern (oder oft noch die Großeltern) dachten, sie bräuchten das. Oder weil es uns in unserer Kindheit so viel Spaß gemacht hat, damit zu spielen. Oder weil wir es gern gehabt hätten aber nie bekommen haben. Oder, oder, oder…

Zum ersten Geburtstag unseres ersten Kindes haben wir uns das Gehirn zermartert. Wir wollten ihm so gerne etwas schenken und es sollte auch was ganz tolles sein und überhaupt. Bekommen hat er ein Schiebetier aus Holz und einen Brummkreisel. Damit hat er NIEMALS gespielt.

Unser Geschenk zum 2. Geburtstag war ein Puppenherd. Dazu gab es noch kleine Töpfe, Pfannen und Kochlöffel, außerdem Puppengeschirr. Für uns war klar, dass jedes Kind eine Puppenküche braucht. Er hat damit in seinem Leben nicht ein Mal gespielt. Von Freunden bekam er Stoffobst und -gemüse. Nie angefasst. Als seine Schwester größer wurde, deren Interesse das eher traf, fingen sie an, das Puppengeschirr und die Töpfe zu benutzen. Den Herd und das Stoffobst brauchten sie aber nicht. Meistens gab es Picknick auf einer Decke auf dem Kinderzimmerboden und die Töpfe waren gefüllt mit Kastanien und Steinen. Ich kaufte ihnen kleine Gläschen und befüllte sie mit den Steinen und Kastanien. Die Gläschen nutze ich inzwischen in der Küche, denn die Kinder ließen sie komplett links liegen und verstauten die Teile lieber gleich in den Töpfen oder in Körben (davon hatten sie auch diverse im Kinderzimmer).

Was will ich euch damit sagen? Nicht nur BRAUCHEN Kinder kein vorgefertigtes Spielzeug, sie WOLLEN es oft wirklich gar nicht.

Sie brauchen die Gelegenheit, sich an Alltagsgegenständen zu bedienen, draußen Stöcke, Steine, Kastanien, Eicheln usw. zu sammeln. Sie brauchen Zugang zu Bastelmaterial und toll wäre natürlich auch jemand, der anfangs mit ihnen zusammen bastelt, baut oder malt. Unsere Kinder sind seit jeher leidenschaftlich dabei wenn es daran geht, Möbel aufzubauen, etwas auseinander- oder zusammenzuschrauben. Ich meine, Akkuschrauber sind wirklich kinderleicht zu bedienen, das schaffen Zweijährige mit links (und einer helfenden Hand ;)).

Nochmal: Ich weiß, dass es schwierig ist. Wenn man das wirklich durchzieht, bedeutet das, das das Kind bis es ungefähr drei Jahre alt ist, wirklich KEIN SPIELZEUG hat. Dafür braucht man als Eltern wirklich viel Überzeugung und Vertrauen.

Da die meisten von uns nun schon Kinder haben und diese Kinder inzwischen auch Spielzeug haben, müssen wir uns für eine abgespeckte Variante entscheiden. Unsere Herangehensweise kennt ihr ja nun inzwischen – wir haben das Kinderzimmer leer geräumt und die Kinder holen sich ein bis drei Dinge zum Spielen. Mit denen spielen sie dann tatsächlich und sie wissen auch immer ganz genau, was sie haben wollen. Und ist es verwunderlich? Es sind immer nur, ausnahmslos, die Dinge, die sie sich selbst gewünscht haben.

Unsere Tochter hat sechs Puppen. Drei davon hat sie sich gewünscht, drei sind von mir früher bzw. von der Oma genäht. Mit welchen spielt sie wohl?
Erinnert ihr euch an unsere Weihnachtsgeschenke? Die Kleine hatte sich „Anna und Elsa“-Puppen gewünscht (unser Zugeständnis, sie wollte natürlich eigentlich die Barbies). Die hat sie von uns bekommen und außerdem das süße Grimm’s Bauhaus als Puppenhaus. Sie spielt unheimlich viel mit Anna und Elsa. Mit dem Puppenhaus nicht.

Es kostet etwas Überwindung, aber es lohnt sich, auch hier einfach der Wahrheit ins Gesicht zu sehen: Es bringt überhaupt nichts, den Kindern die schönsten Dinge zu schenken. Wenn sie sie nicht interessieren, dann werden sie damit nie spielen. Stattdessen liegen sie dann im Zimmer herum und ärgern uns.

Neulich habe ich diesen schönen Artikel gelesen http://einerschreitimmer.com/2015/01/experteninterview-mit-sonderpadagogin-katja-wie-viel-spielzeug-ist-zu-viel/. Hier werden die verschiedenen kindlichen Entwicklungsphasen im Kinderspiel sehr schön erklärt und es fällt bei den Empfehlungen für Spielzeug immer wieder der Satz „es geht auch ohne Spielzeug“.

Unsere Kinder sollten es uns wert sein, ihnen zuzuhören. Wenn wir sie ernst nehmen, werden wir sie nicht mit Spielzeug eindecken. So gut es gemeint ist – schaut euch doch selbst an: Lest ihr geschenkte Bücher, die euch überhaupt nicht interessieren, auch wenn sie noch so hoch gelobt werden? Benutzt ihr die Sojakissen von eurer Schwiegermutter, die überhaupt nicht zu eurem Farbgeschmack passen? Legt ihr Parfum auf, dass ihr geschenkt bekommen habt, aber überhaupt nicht riechen könnt? Aber ihr könnt solche Dinge wahrscheinlich auch nicht gut einfach wegschmeißen oder weggeben, insofern stehen sie dann rum und … ärgern uns.

Kinder werden von dem ganzen Spielzeug in ihrem Zimmer abgelenkt und unkonzentriert. Wir tun ihnen wirklich keinen Gefallen damit.

Zurück zur Ursprungsfrage: Wie viel Spielzeug braucht also ein Baby? Ein Einjähriges? Ein Zweijähriges?

Ein Baby braucht euch. Eine weiche Decke habt ihr sowieso, zum Drauflegen, Kuscheln usw. Damit lernt ein Baby wunderbar greifen. Es greift euren Finger, euren Reißverschluss an der Jacke. Die Fenstergriffe. Eure Kapuzenkordeln. Es kommen Phasen, wo das Baby immer mehr kann, aber vieles eben auch noch nicht. Gerne wird dann Spielzeug gegeben, um den Frust hinauszuzögern oder zu vermeiden. Das könnt ihr gerne machen, wenn es euch dann besser geht, aber ein Löffel ist für ein Baby genauso spannend wie ein Plastikrasseldings.

Es beginnt zu krabbeln und sein Radius wird größer. Wenn ihr nicht total minimalistisch eingerichtet seid, wird es jetzt selbst Dinge zum Spielen finden. Lasst es machen und freut euch einfach daran, seinem Entdeckerdrang zuzusehen, statt ihm ständig bunte Bälle und Rasseln vor die Nase zu knallen.

Einjährige – ich hatte es oben erwähnt – sind in der Küche oft wirklich sehr, sehr glücklich. Wir haben mit Krabbelalter unserer Kinder die Schubladen etwas umsortiert und dann konnten sie nach Herzenslust den Topfschrank und die Plastikschüsseln durchwühlen. Steine und Kastanien sind völlig altersunabhängig tolle Spielsachen.

Wenn euer Kind dann in der KiTa ist, könnt ihr ja mal schauen, wie sie da so spielen. Bauklötze können nie schaden. Unsere Kinder haben aber z. B. immer nur mit Duplo gespielt und die schönen Holzklötze lagen nur rum. Kapla-Steine sind zwar eine große Anschaffung, bescheren aber der ganzen Familie und auch noch sehr großen Kindern viel Spaß, weil man daraus wirklich unglaubliche Dinge bauen kann. Wenn man denn gerne baut – schaut euer Kind an. Meiner Tochter reicht bis heute eine kleine Kiste Duplo, während unser 6-jähriger sich mittlerweile Lego Technik erschließt und so viel Lego hat (und fast täglich benutzt), dass ich mir die nächsten Jahre gar nicht vorstellen mag.

Vertraut euren Kindern. Sie wissen in den meisten Fällen, was gut für sie ist. Das gilt fürs Essen genauso wie für die Kleidung und eben auch fürs Spielzeug. Ich würde meine Kinder niemals zwingen, etwas zu essen. Wieso sollte ich ihnen dann Spielzeug vorsetzen, das sie nicht haben wollen – und dann noch sauer sein, wenn es herumliegt?

Unsere Kinder, das Zimmer und unser Zusammenleben sind durch das reduzierte Spielzeugangebot sehr viel harmonischer geworden. Den Kindern fehlt nichts, sie können ihr Spielzeug jederzeit haben. Aber sie fragen wirklich selten danach!

Kinderkunst schön aufbewahren

Neulich kam in unserer wunderbaren Facebook-Gruppe „Spielzeugfreies Kinderzimmer“ die Frage, was wir Eltern größerer Kinder mit den Kunstwerken unserer Sprößlinge tun. Danach entspann sich eine angeregte Diskussion mit sehr kreativen Verwertungs- und Aufbewahrungsmöglichkeiten für die Bilder und Basteleien der Kinder, die ich hier mit euch teilen möchte.

Bilderauswahl

Ich spreche der Einfachheit halber von Bildern – gemeint ist im Prinzip alles, was man aufhängen kann…

Wir hängen erstmal all das auf, was aufgehängt werden soll. Also, entweder die Kinder kommen und wollen ein Stück aufhängen oder wir Eltern wollen es noch etwas im Blickfeld behalten. Ich finde es hier wirklich wichtig, die Kinder mit einzubeziehen. Sie sind die Künstler und sehen in ihren Bildern oft noch viel mehr als wir. Wenn sie ein Bild also aufhängen wollen, dann tun wir das auch.


Diese Stücke kommen entweder in die „permanente“ Ausstellung in Bilderrahmen im Kinderzimmer oder für eine Weile an unsere Pinnwand im Flur oder an den Kühlschrank. Sobald etwas neues dazukommt, tauschen wir aus. Jetzt wird es interessant – die abgenommenen Bilder / Basteleien hängen nun zwar nicht mehr, aber die meisten wollen wir trotzdem aufheben.

Das Aufbewahren

BastelkisteWir haben für jedes Kind eine Sammelmappe, in die die Malereien kommen und eine Kiste (bisher reicht noch eine für beide Kinder) für die etwas großformatigeren Basteleien in 3D. Bilder, die wir nicht aufheben, aber trotzdem behalten wollen, fotografieren wir ab. Wenn genug zusammen gekommen ist, machen wir daraus ein Fotobuch für jedes der Kinder. So ist alles bewahrt und schön aufbereitet (in platzsparender Form).

Eine Möglichkeit ist natürlich auch, die Bilder einfach alle zu sammeln und aufzuhängen. Freunde von uns haben den gesamten Flur mit den Kunstwerken ihrer mittlerweile 9-jährigen Tochter tapeziert – das sieht toll aus und ist auch ein schönes Signal an die Kinder.

Die liebe Birgit von suchtdasglueck hat uns z. B. auf diese schöne Art vom simpleasthatblog.com hingewiesen, die Bilder der Kinder zu sammeln und auch aufzuhängen – nur eben in etwas komprimierter Form:

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Hier findet ihr auch eine Anleitung zum Nachmachen.

Aussortieren

Aber auch Aussortieren ist wichtig: Ich z. B. bewahre die KiTa-Kunstwerke ehrlich gesagt nicht so lange auf, weil das oft vorgegebene Dinge sind, bei denen die Kinder nicht wirklich kreativ werden, sondern oft nur ausführen. Es ist ihnen sehr wichtig, diese Dinge mit nach Hause zu nehmen, aber sobald sie da angekommen sind, sind sie vergessen.

Auch großformatige, spärlich bekritzelte Rückseiten von Kalenderblättern u. ä. aus der Kita wandern zuhause meist gleich ins Altpapier und wurden noch nie vermisst.

Kinder malen oft in Phasen. Wenn meine Tochter die zwanzigste Prinzessin mit blonden Haaren und blauem Kleid malt, dann muss ich das nicht zwanzig Mal behalten, sondern es reichen vielleicht ein bis drei Varianten. Es sei denn, ihr stellt alle nebeneinander wie oben beschrieben – das sieht dann auch wieder interessant aus!

Dafür bleibt das riesige Holzflugzeug, das mein damals fünfjähriger komplett alleine entworfen, zusammengeschraubt und angemalt hat (nur beim Sägen hat er sich Hilfe eingefordert) sicher für immer unter unseren wichtigen Dingen und steht im Regal!

Habt ihr noch weitere Ideen, wie man die Kinderkunst schön (und platzsparend) sammeln und aufbereiten kann?

 

Spielzeugfreies Kinderzimmer – eine erste Bilanz

Seit zwei Monaten ist unser Kinderzimmer nun „spielzeugfrei“. Und gleich vorweg: Es ist ja gar nicht spielzeugfrei, nur spielzeugreduziert. Die Kurzfassung unseres „Systems“ lautet:

  • Alle Spielsachen wurden ordentlich verstaut und außer Reich- und Sichtweite der Kinder weggepackt
  • Jedes Kind durfte sich max. 3 Dinge aussuchen (wobei ein Ding z.B. eine Puppe mit ihren Anziehsachen oder die Legokiste sein kann), die es „unten“ im Zimmer zum Spielen haben möchte.
  • ca. 1 x die Woche besteht die Möglichkeit, Spielzeug auszutauschen
  • Im Zimmer geblieben sind die Verkleidungskiste und die Schreibtische mit Bastelmaterial.

Soweit so gut. Beim Ausräumen haben die Kinder begeistert mitgeholfen. Der 6-jährige hat das System ziemlich gut verstanden und freute sich darauf, weniger Aufräumen zu müssen, wollte aber vor allem uns Eltern glücklich machen, da wir so genervt vom vollgestellten Zimmer waren.

Die vierjährige hat das ganze noch nicht so richtig durchblickt, sobald wir ihr aber glaubhaft versichern konnten, dass sie ihre Lieblingspuppe zum Spielen behalten kann (bzw. wir sie gar nicht erst weggepackt haben), war es für sie auch OK.

Durch das große Interesse auf Facebook und im Freundeskreis entstand dieser Blog sowie die dazugehörige Facebook-Seite und die Facebook-Gruppe.

Großes Aufatmen

Dass es für uns Eltern eine große Erleichterung sein würde, das Kinderzimmer nicht mehr entweder im absoluten Chaos zu sehen oder Aufräumen zu müssen war uns eigentlich klar. Und so war es auch. Das Kinderzimmer ist jetzt groß und luftig, die bespielten Spielsachen sind entweder im Einsatz oder schnell weggepackt. Wir sparen dadurch viel Zeit und Nerven – was die Kinder natürlich schnell bemerkt und schätzen gelernt haben.

Dass es auch für die Kinder eine solche Erleichterung sein würde, nicht mehr vom ganzen Spielzeug erschlagen und abgelenkt zu werden, hat uns schon überrascht. Es haben sich schnell Lieblingsspielzeuge herauskristallisiert. Unser Sohn braucht eigentlich immer nur eine „Sache“ unten. Meistens sind es seine Legosteine und -bausätze. Als wir uns den Grimm’s Regenbogen aus unserem Laden ausgeliehen hatten, hatte er sich ergänzend dazu seine Matchboxautos gewünscht. Damit spielt er sehr konzentriert und lang andauernd. Was früher mit ihm ein großes Problem für uns war, dass es selten mal allein gespielt hat und ihm viel langweilig war, tritt kaum noch auf. Er freut sich sehr, wenn L. mit ihm zusammen Lego baut (sie sitzen dann total vertieft nebeneinander auf dem Teppich und bauen nebeneinander her, selten mal was zusammen), aber er spielt auch viel alleine. Und, auch das ist mehr geworden, seit wir das Spielzeug reduziert haben, viel mehr mit seiner Schwester E.

Rollenspiele waren vorher schon wichtig (vor allem Verkleiden), haben seit November aber deutlich zugenommen und sind auch kreativer geworden. Kartons oder andere „Abfallprodukte“ aus der Küche und Arbeitszimmer werden begeistert angenommen und ins Spiel integriert. Die beiden spielen jetzt auch öfter mit dem Spielzeug des anderen – also beide mit E. Puppen oder beide mit Lego / Autos. Das war früher ganz klar die Domäne des anderen und hat sich kaum gemischt.

E. malt außerdem wahnsinnig gern und bastelt. Seit der Boden ihres Zimmer-Teils frei ist, tut sie dies ausufernd auf dem Boden.

Sehr wichtig ist auch, dass die Kinder sich in der Wohnung frei bewegen können und, bis auf wenige Ausnahmen, auch mit allem spielen können. Bestes Beispiel ist wahrscheinlich die Küche, hier werden öfter Töpfe und Löffel entliehen. Über Weihnachten haben wir alle zusammen im Wohnzimmer gesessen und die Kinder hatten ihr Spielzeug da. Das war bisher immer ein No-Go, weil sonst die ganze Wohnung im Spielzeug ertrunken wäre. Da es jetzt aber insgesamt nicht mehr so viel gibt, ist es kein Problem und sorgt für ein ruhiges und schönes Miteinander.

Sind die Kinder ordentlicher geworden?

Nein, überhaupt nicht. Aber das war ja auch nicht Sinn der Sache. Ich erwarte von Kindergartenkindern überhaupt nicht, dass sie selbstständig ihr Zimmer aufräumen. Aber wenn ich E. früher gebeten habe, aufzuräumen, hat sie von vornherein kapituliert „Ich kann das nicht alles alleine!“. Bitte ich sie nun um das gleiche (Fragestellung in beiden Fällen: „E., hilfst du mir beim Aufräumen und packst die Puppen in die Wiege?“) dann fällt es ihr wesentlich leichter, das zu tun. Es liegen eben auch nur die Puppen da und daneben steht die Wiege, also ist sonnenklar, was sie tun soll.

M. hat sich im Zuge unseres Aufräumens ein eigenes Lego-Sortiersystem überlegt und hält es seitdem selbstständig ein.

Das Kinderzimmer sieht jetzt abends meistens so aus, dass bei M. diverse Haufen Lego verteilt sind, neben den Kisten und fertig gebauten Teilen. Die schieben wir etwas zur Seite, um freien Gang zum Fenster zu haben.

Bei E. liegen Seidentücher, Seile, Papier und Stifte verteilt auf dem Boden. Gerne auch Papierschnipsel (mit Papierschnipseln machen die beiden alles von Schnee bis Geld).

Im restlichen Zimmer liegen die Tobematte und die Softbausteine meist sehr verstreut, die sind schnell zusammengeschoben, falls sie im Weg liegen.

Das räumen wir nicht jeden Abend weg. Sie spielen am nächsten Tag sowieso wieder damit und es stört auch nicht wirklich. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Stifte so verstreut sind, dass sie zum Malen niemand mehr wiederfindet, sortieren wir sie. Wenn gesaugt werden muss, räumen wir einmal komplett den Boden frei.

Da die Kinder neuerdings wieder beide bei uns im Elternbett schlafen, ist es auch nicht so wichtig, sich nachts im Kinderzimmer frei bewegen zu können. Im Gegenteil, so schleichen sie sich morgens aus unserem Bett und spielen friedlich und leise im Kinderzimmer – traumhaft.

Ist den Kindern Spielzeug jetzt weniger wichtig?

Bei der Kleinen hat sich das nicht wirklich verändert. Wenn sie etwas schönes sieht, will sie es haben und zwar sofort. Am nächsten Tag ist es meist vergessen. Ich glaube aber, für M. ist, genau wie für uns, wesentlich klarer geworden, was er toll findet und braucht und deshalb kann er seine Wünsche jetzt auch klarer benennen bzw. besser einschätzen, was ihm wirklich wichtig ist und was nicht.

Gibt es weniger Streit?

Das ist schwer zu sagen und sehr subjektiv. Geschwister finden immer einen Grund zum Streiten und brauchen das auch. Dadurch dass sie mehr und einträchtiger zusammen spielen, würde ich schon sagen, dass es weniger Streit um Spielzeug gibt. Bauen sie aber beide mit Lego, nimmt sich schon oft einer die Teile vom anderen oder baut einfach das Haus vom anderen weiter. Das endet meistens in Tränen und Gebrüll.

Wie wird es weitergehen?

Da sich herausgestellt hat, dass es pro Kind tatsächlich nur ca. 3 – 4 Spielzeuge gibt, die sich im Tauschturnus befinden, werden wir im nächsten Schritt alles andere Spielzeug in den Keller verstauen, sodass es wirklich außer Sicht ist.

Anfangs zuckte es mir noch in den Fingern, die Kinder an manches Spielzeug zu erinnern, á la „Wollt ihr nicht mal wieder mit den Schleich-Tieren spielen?“. Das habe ich mir zum Glück verkniffen. Sie wissen genau, was sie spielen wollen und suchen sich zur Not alles zusammen. Sie wissen auch noch, was wir alles haben und müssen nicht daran erinnert werden. Und manche Dinge, mit denen sie nie gespielt haben, fordern sie natürlich jetzt auch nicht ein.

Da wir keine Spielzeuge verkaufen oder verschenken würden, ohne das Einverständnis unserer Kinder zu haben, gehen die Dinge jetzt erstmal in den Keller, auch wenn wir sie dort wahrscheinlich kaum wieder hervorholen müssen. Aber sich endgültig zu trennen wäre für die beiden, besonders für E., zurzeit wohl noch zu schwierig, da lassen wir noch etwas Zeit ins Land gehen. Es eilt ja auch nicht.

Was wir sehr gerne tun und was auch für die Kinder in Ordnung ist, ist Spielzeug langfristig zu verleihen. Und als M. neulich zum Geburtstag einer KiTa-Freundin eingeladen war, die sich ein Kuscheltier wünschte, da haben wir ein (sehr gut erhaltenes) von unseren verschenkt.

Fazit

Würden wir das wieder tun? Ja, auf jeden Fall.

Könnten wir noch mal von vorne anfangen, würden wir erst gar nicht so viel Spielzeug anhäufen (s. auch „Tipps für ein spielzeugfreies Kinderzimmer„) und mehr auf die Interessen und Wünsche unserer Kinder achten.

In Zukunft werden wir nicht viel weiteres Spielzeug zukaufen. Unsere „Schenker“ haben dieses Weihnachten auch wirklich toll mitgemacht und haben glaub ich unsere Wünsche verstanden und unterstützen sie.

Dass der Zufluss an Spielzeug von außen eines der größten Probleme ist, zeigt die Beliebtheit des Beitrags „Was tun mit den Schenkenden“ auf diesem Blog, der wurde mit Abstands am öftesten aufgerufen. Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass das bei uns so gut funktioniert hat und hoffen, dass es auch in Zukunft so bleibt. Spannend wird sicherlich auch das Thema Kindergeburtstag.

Ich glaube, einer der Schlüsselfaktoren ist hier, wie auch sonst so oft im Leben, sich nicht so zu versteifen. Spielzeugfrei ist illusorisch und m. E. auch nicht wünschenswert, denn die Kinder wollen und sollen spielen und das nicht nur mit selbstgebasteltem. Kann man die Spielzeugflut von außen nicht stoppen, wäre eine mögliche Reaktion z. B., die „von innen“ einzustellen. Zum Geburtstag wird es von uns in Zukunft Reisen, Aktivitäten u. ä. geben. Dann sind ein paar Spielzeuge von den Freunden auch nicht weiter schlimm. Und vielleicht können ja hier die Wünsche auch in Bahnen gelenkt werden, die zum Konzept passen.

 

Tipps fürs spielzeugfreie Kinderzimmer

Ein spielzeugfreies Kinderzimmer zu schaffen müsste eigentlich ganz einfach sein (alles raus), ist es aber, das wissen wir alle, in der Praxis nicht. Es gibt aber eine Tricks, mit denen wir uns das Leben leichter machen können. Wir haben sicherlich noch nicht alle, wir haben ja selber auch gerade erst angefangen, aber vielleicht helft ihr uns beim Sammeln, damit Generationen von Eltern nach uns von unseren Erfahrungen zehren können?

  1. Gar nicht erst anfangen.
    Haha, sehr witzig. Ja, aber im Ernst, das ist natürlich der einfachste weg, der Spielzeughölle zu entgehen! Wenn man es schafft sich von der Vorstellung zu lösen, Kinder bräuchten Spielzeug, dann schafft man fürs Baby erst gar nichts an. Für Babys ist ein Holzkochlöffel etwas ganz tolles. Schneebesen – WOW! Dein Halstuch (riecht auch noch so gut!). Ein – gut verschlossenes – Säckchen mit trockenen Erbsen. Mehr. Braucht. Es. Nicht. EHRLICH!!!
  2. Auf Wünsche warten.
    Wenn in unserem Kinderzimmer nur Dinge wären, die die Kinder sich wirklich selbst gewünscht haben, hätten wir kein Problem. Ganz einfach. Ein paar Beispiele? Wir haben verschiedene „Klassen“ von Spielzeugen:
    a) Wir fanden es toll / dachten die Kinder brauchen es. Dazu gehört z. B.
    – die Kinderküche
    – das Puppenbaumhaus (soooo schön!)
    – die Murmelbahn (gehört auch in Kategorie b)
    – Holzbausteine
    – Schleich-Tiere und andere Tierfiguren

    b) Relikte aus der eigenen Kindheit, die von den Großeltern (oft ungefragt) über uns ausgeschüttet wurden, dazu gehören z. B.
    – Unmengen an Kuscheltieren
    – Puppen und Puppenkleidung
    – altes Playmo und Lego

    c) Geschenke von anderen ohne entsprechende Wünsche dazu.

    Was sich unsere Kinder tatsächlich selbst gewünscht haben? Ich würde sagen, es fing so mit 3 an. Zum vierten Geburtstag gab es wirklich konkrete Wünsche. Der erste Wunsch unseres Sohnes war (zum 3. Geburtstag) ein Fahrrad. Seitdem wünscht er sich eigentlich immer die nächste Größe, sobald es auch nur ansatzweise passen könnte. Seit er Lego kennengelernt hat, stehen die kleinen Steine ganz oben auf der Liste. Aber nicht Steine, Türen und Fenster (so hab ich mit Lego gespielt), sondern er will (Raum-)Schiffe bauen, Fahrzeuge und Roboter.

    Unsere Tochter (4 Jahre) wünscht sich IMMER Puppen. Und hat sehr genaue Vorstellungen. Meine wunderschöne, von meiner Mutter seinerzeit handgenähte Waldorfpuppe dient nur als Deko (und zum Haareschneiden-Üben – AAAAHHHH). Sie will Puppen mit Haaren, die man kämmen kann / die die Augen auf und zu machen / eine Babypuppe. Und mit denen spielt sie auch.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Wir sollten aufhören, den Kindern das zu schenken, was wir gerne (gehabt) hätten und müssen anfangen, ihnen zuzuhören. Das sind sicherlich nicht immer die Sachen, die wir gut finden. Bis wir E. die heißersehnten Barbies schenken wird es noch eine Weile dauern, die finden wir einfach zu eklig. Aber es wird sie glücklich machen. Momentan hat sie mit einer Freundin getauscht – sie hat die Elsa-Barbie, die Freundin eine ihrer Puppen.

    Aber aufgepasst: Es gibt diese kurzlebigen Wünsche (gerade bei Max gesehen, das will ich auch!) und es gibt die tiefen Wünsche, die bleiben!

  3. Leihen statt kaufen.
    Viele Dinge sind heiß erwünscht und dann liegen sie nach ein, zwei oder drei Monaten doch nur noch rum. Wie praktisch wäre es, das Spielzeug dann einfach zurückgeben zu können. Neben kommerziellen Angeboten wie www.meine-spielzeugkiste.de kann man das auch ganz einfach im Freundeskreis organisieren. Den tollen Grimm’s Regenbogen (ja, ich bin verliebt) muss sich ja nicht jeder in der Pekip-Gruppe anschaffen. Wenn einer den Regenbogen hat, eine die schönen Bausteine und einer einen Fundus an Schleich- oder Ostheimer- oder sonstigen Tierfiguren, dann könnt ihr einen schönen Tauschkreis ins Leben rufen und eure Kinder werden Freude an dem jeweils einen Spielzeug haben, das gerade bei euch ist.
  4. Platz begrenzt halten.
    Im ersten Kinderzimmer hatten wir ein kleines Regal mit vier Fächern. Das sah anfangs ganz schick aus, in einem Fach stand ein kleiner Korb mit Holzbausteinen, in einem ein Brummkreisel (fällt eindeutig in Kategorie a), damit hat NIE jemand gespielt), in einem eine kleine Tierszenerie und in einem ein großer Korb mit der Murmelbahn (s.o.).
    Im zweiten Lebensjahr wurden daraus 8 Fächer und so ging es weiter.
    Unser Tipp also: Bleibt beim 4-Fächer-Regal. Wenn das voll ist, muss getauscht werden (oder gestoppt!!!).
    Euren Kleiderschrank baut ihr ja auch nicht immer weiter aus (oder???), sondern wenn er voll ist und nichts mehr rein geht, dann müsst ihr aussortieren.
  5. Ausprobieren und Vorteile erkennen.
    Ich bin verliebt in das Spiel meiner Kinder, seit ihr Kinderzimmer nicht mehr überquillt. Sie spielen ruhiger und konzentrierter. Sie sind wahnsinnig kreativ. Sie sehen eine Werbeprospekt und sind drei Stunden damit beschäftigt damit zu basteln. Sie nehmen sich ein Tuch und dann ist das erst die Schlitterbahn, wird zum Königsumhang und dient später als Höhle oder Puppendecke. Je weniger sie haben, desto mehr können sie damit spielen.
    Ich entschuldige mich hiermit bei meinen Kindern, sie so mit Spielzeug vollgemüllt zu haben, dass sie das einzelne gar nicht mehr sehen konnten und ihnen so ihr Spiel erschwert zu haben.
  6. Überlegen, ob es wirklich SPIELzeug sein muss.
    Soll heißen: Wahrscheinlicher ist es oft, dass ihr das Gewünschte schon besitzt, nur ist es bisher nicht als Spielzeug deklariert. Beispiel Kinderküche. Wir haben Puppengeschirr und -besteck, kleine Töpfe, kleine Döschen, einen kleinen Puppenherd.
    Am liebsten spielen die Kinder aber mit unserem echten Geschirr (also, die Porzellanteller geben wir jetzt nicht unbedingt raus, aber die unzerstörbaren Untertassen sind genauso beliebt) auf einem umgedrehten Hocker.
    Unser Nachbarsbaby, das wir neulich zum Babysitten da hatten, hat hochkonzentriert Kastanien aus einem Schälchen in ein anderes sortiert, mitten in der Küche während wir gekocht haben – alle drei Kinder hatten Riesenspaß dabei (für uns Eltern war es auch praktisch, weil sie uns nicht zwischen den Beinen herumgelaufen sind, wir sie aber gleichzeitig im Blick hatten.
  7. „Gutes“ Spielzeug auswählen.
    Ja, das widerspricht jetzt dem Punkt „auf Wünsche warten“. Manches ist aber so vielseitig, dass es eine Bereicherung fürs Kinderzimmer sein kann (wenn man denn unbedingt Spielzeug haben / kaufen will). Wir finden z.B. die Auswahl der Lieblingsspielzeuge von Anja und Christian Von Guten Eltern sehr gut und können sie voll unterschreiben. Das sind auf jeden Fall Dinge, an denen die Kinder lange Freude haben werden (wenn ihr dabei die Vorlieben eurer Kinder berücksichtigt – unsere spielen ja z. B. wie gesagt nicht mit Tieren).

Wir sind gespannt auf Eure Erfahrungen und erweitern die Liste sehr gern!

Wie alles begann

Wer kennt das nicht, beim Schritt ins Kinderzimmer trifft einen der Schlag und man kann gar nicht anders, der typische Eltern-Satz „Wie sieht’s denn HIER aus?????“ erklingt aus dem eigenen Mund. So wollte ich doch gar nicht werden!

Die Kinder hatten erstmal kein großes Problem damit. Hindernissen gingen sie aus dem Weg (auch 30-Mal hintereinander) statt sie wegzuräumen. Meine Tochter, die sich mindestens drei Mal am Tag umzieht, ließ alle Klamotten einfach liegen. Papierschnipsel wohin das Auge sah. Überall Staub und Dreck, weil ich mit dem Staubsauger einfach so selten reinkam. Denn, und das war das Hauptproblem: Ich hasse Aufräumen. Mein Mann hat sich ca. ein Mal im Monat im Kinderzimmer eingeschlossen und hingebungsvoll stundenlang alles sortiert und weggeräumt. Nach so einer Aktion fragte meine Tochter (4 Jahre) dann mal „Mama, sind wir umgezogen?“. Für das abendliche Aufräumen war eher ich zuständig und Ich. Habe. Es. Gehasst. Ich hab schon genug mit dem Rest der Wohnung zu tun. Ein Zimmer nach dem anderen und wenn das letzte (wir haben nur 3 Zimmer, Küche und Bad…) fertig ist, kann man im ersten schon wieder von vorne anfangen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade und die Laune hat auch sehr gelitten (meine Laune. Aber meine Laune hat einen riesigen Einfluss auf den Rest der Familie. Also.)

In unserem Familienleben versuchen wir, den Kindern ein gutes Beispiel vorzuleben. Wir ernähren uns aus Überzeugung weitgehend vegan (aber nicht streng, denn es muss zum Leben passen). Wir achten darauf, Müll zu vermeiden und Dinge zu reparieren, statt sie wegzuschmeißen und neu zu kaufen. Wir machen sehr viel selbst (Brot, Nudeln, Kekse, Kochen sowieso) und verzichten soweit wie möglich (jetzt hört der Spaß wirklich auf) auf Zucker. Das bedeutet immer, dass wir als Erwachsene das auch machen. Wir versuchen schon lange, oft gründlich auszumisten und nicht zu viel Zeug anzusammeln. Im Kinderzimmer haben wir das nie geschafft.

Es gibt aber auch so schönes Spielzeug. Und wir wollen ja auch, dass die Kinder sich mal (mal!!!) alleine beschäftigen. Und einiges wollten wir wahrscheinlich auch wirklich eher selber haben (mein Mann und Lego… Ich und Prinzessinenkram für mein Mädchen…). Jedenfalls ging es so nicht weiter.

Diesen Artikel von Ruth Soukup von livingwellspendingless.com hatte ich schon vor längerer Zeit gelesen und seitdem immer mal wieder (sie postet ihn auch öfter :)) und war fasziniert. Ruth hat eines Tages nach wiederholter Aufräumverweigerung ihrer Töchter, alles Zeugs aus dem Kinderzimmer geräumt und bisher haben sie es nicht wiederbekommen (und auch nicht vermisst). Das liest sich so schön. Die Auswirkungen auf die Kinder – das wollte ich auch für uns! Aber es hat schon gedauert, bis ich tatsächlich so weit war.

Bei uns war es ein Abend nach einem langen Wochenende. Wir waren der Reihe nach alle Erkältet, jedenfalls waren wir seit 4-5 Tagen in wechselnden Konstellationen alle zuhause, ein Wochenende war auch noch dabei. Jeden Tag hatten wir mindestens eine halbe Stunde lang das Kinderzimmer aufgeräumt, nur damit es nach zehn Minuten noch schlimmer aussah als vorher. Dann konnte ich nicht mehr, habe den Kindern erklärt, wie sehr ich Aufräumen hasse (sie waren überrascht), wie viel Zeit uns das nimmt und habe ihnen den Vorschlag gemacht, einfach mal alles rauszuräumen und sie könnten sich dann etwas aussuchen, mit dem sie spielen und der Rest wird nicht weggeworfen, sondern bleibt erreichbar – nur nicht so direkt. Meine Tochter hat das nicht wirklich verstanden, sofort angefangen ihre liebsten Kuscheltiere (also alle…) um sich zu sammeln. Mein Sohn war Feuer und Flamme. „Aber guck mal, E., du spielst doch eigentlich meistens mit Monika! (Ihre Babypuppe)“. Ja, stimmt, plötzlich konnten alle anderen Puppen weg. Wir haben angefangen, alle Spielzeugkisten ordentlich zu beschriften (großer Spaß für Kinder – sind eure auch solche Tesafilm-Fetischisten?) und haben sie nach und nach auf den Flur gestellt. Da wir unser Spielzeug großteils sowieso in Kisten aufbewahren, war das gar nicht so viel Arbeit.

Die Kinder hatten jeder eine kleine Kommode, die haben wir einfach aufgeräumt, die Schubladen beschriftet und sie ins Schlafzimmer getragen und dort (Schubladen zur Wand) erstmal untergestellt (wir haben auch in unserem Schlafzimmer ein Hochbett, deshalb war Platz dafür).

Einiges haben wir auch entsorgt (Papierschnipsel, Ü-Ei-Figuren, vor hundert Jahren selbstgebasteltes, Stifte ohne Kappe…).

Dann haben wir einmal gründlich saubergemacht (da waren die Kinder in der KiTa) und die Kisten auf den großen, unbenutzten Schrank im Kinderzimmer gestellt. Und dann haben mein Mann und ich tief durchgeatmet und erstmal einen Kaffee getrunken.

kinderzimmer_gesamt

M. hatte sich die Duplosteine ausgesucht, die wollte er unten behalten. E. also ihre Puppe (mit Puppenbett und einigen Kleidungsstücken im Puppenschrank. Wir werden sehen, ob sie das wirklich braucht. Mehr wollten beide erstmal nicht. M. war auch sauer, dass sein Piratenschiff, die Ritterburg und das Baumhaus noch am gleichen Platz standen wie vorher (ganz oben auf dem Regal). Aber die waren nie das Problem und sind für die Kinder allein nicht erreichbar. Abends wollte M. dann noch ein Kuscheltier haben, außerdem hatte ich sein selbstgebautes Holzflugzeug noch mit unten gelassen (weil ich keinen Platz dafür gefunden habe…). Das waren also seine drei Dinge. E. blieb erstmal bei der Puppe.

Sie haben am ersten Nachmittag sowieso nicht mit den Sachen gespielt, sondern sich aus den großen Bausteinen und der Matte einen Tobeparcours im plötzlich so erfreulich leeren Zimmer gebaut und Hochsprung geübt (unter uns ist ein Büro, da ist abends niemand mehr, Gott sei Dank!).

Das Aufräumen abends hat drei Minuten gedauert und alle hatten gute Laune!