Ein spielzeugfreier Geburtstag?

Ein Geburtstag steht an bei uns. Der Geburtstag eines dann fünfjährigen Mädchens, das Puppen liebt, am liebsten jeden Tag in den Spielzeugladen gehen würde, sich als Prinzessin verkleidet und deren Lieblingsbeschäftigung es ist, Krams (im wahrsten Sinne des Wortes) in Taschen zu packen, umzufüllen und neu zu sortieren. Ein Mädchen, das in einem spielzeugfreien Haushalt lebt. Naja, fast. Ihr wisst schon…

Ich tendiere ja dazu,  mich an selbst gestellte Regeln relativ streng zu halten.  Mein Mann zum Glück überhaupt nicht und das ist eine wunderbare Grundlage für ein entspanntes Leben. Ernsthaft!

Ein Beispiel aus unserem Leben ist unsere vegane Phase,  die wir ein gutes Jahr sehr streng durchhielten und sehr genossen. Dann haben wir aus verschiedenen Gründen unsere Ernährungsmaxime wieder für einige Tierprodukte geöffnet, womit ich ein großes Problem hatte,  da wir dann ja nicht mehr „vegan“ nach Lehrbuch waren und L. gerne sagte „Aber ich hab doch keinen Vertrag unterschrieben. Ich esse das,  was ich will,  nicht das,  was irgendwo definiert ist“.

Ähnlich geht es mir gerade bei diesem anstehenden fünften Geburtstag meiner Tochter. Sie ist so ein  wunderbarer Mensch und sie freut sich so sehr über Dinge,  eigentlich möchte ich ihr dauernd schöne Sachen schenken. Dass der Moment der Freude dann schnell vorüber ist,  die Sachen nur rumliegen und nicht geschätzt werden,  weiß ich,  und deshalb haben wir uns ja auch vom Konsum weitestgehend abgewandt. Aber am Geburtstag…

Geburtstag 4

Unsere Kinder haben sich mit dem spielzeugfreien Kinderzimmer sehr unterschiedlich entwickelt. M.,  der ältere (jetzt sechseinhalb) hat seine große Leidenschaft für Lego entdeckt bzw. ausgebaut,  spielt total konzentriert und verlangt selten nach anderem oder neuem Spielzeug. E. dagegen würde am liebsten jeden Tag in den Spielzeugladen gehen und will alles haben,  was sie sieht. Sie hat sich noch nicht so wichtig gefunden bzw. lässt sich sehr leicht ablenken. Interessanterweise ist sie aber diejenige,  die leichter und gerne allein spielt und schnell im Spiel versinkt. Mit ihren Puppen (oder gerne auch mit zwei Stöckchen)  spielt sie endlos Mutter und Kind (oder Baby und Schulkind) und ist voll im Flow. Und sie liebt Puppen.

Ihre Geburtstagsparty plant E. schon seit knapp einem Jahr (ja, seit dem Tag nachdem sie vier wurde). Sie möchte mit ihren Gästen auf einer Wiese Blumen pflücken (ja, wir sehen sehr viel Bullerbüfilme…), es sollen Ketten und Ringe gebastelt werden, viele kleine bunte Kuchen soll es geben. Alles machbar, wunderschön, sind wir total dabei.

Dann die Frage nach ihren Wünschen.
„E., was wünschst du dir zum Geburtstag?“
„Eine Prinzessin Lillifee, die größer ist als ich und die fliegen kann!“.
„…“

Dann kommt aber noch, nachgeschoben, deutlich unter ferner liefen, „Und eine Meerjungfrau-Barbie“. Hatte ich erwähnt, dass ich Barbies hasse? Immerhin weiß ich, dass sie die nicht will, weil sie auf absurd aussehende vollbusige Frauen mit Wespentaille steht (oder selbst so aussehen will), sondern weil sie handliche Puppen, die möglichst echt aussehen. Da gibt es wirklich nicht viele Alternativen (kennt ihr welche? Dann bitte her damit, jetzt!!!). Puppenstubenpuppen mit biegsamen Gliedern funktionieren nicht, normale Puppen findet sie zwar toll, erfüllen hier aber nicht den Zweck.

Und dann der erste Gedanke: Reicht das denn? Eine Barbie?
Es ist einfach irre schwer, davon loszukommen, seine Liebe mit einem vollen Geschenketisch auszudrücken. Außerdem ist da immer noch das Puppenhaus. Sie liebt Puppenhäuser. Bei Oma und Opa, bei Tanten – egal wo spielt sie damit hingebungsvoll, das Puppenhaus im Maditafilm lässt ihre Augen riesengroß werden. Wir würden ihr so gern eins schenken. Aber wir haben solche Angst vor herumliegendem Minimobiliar, vor dem großen Platzverlust im Kinderzimmer… und, viel wichtiger: Sie wünscht es sich nicht. Ja, wenn sie eins sieht sagt sie, sie will es haben. Aber beim Aufzählen ihrer Wünsche ist das Stichwort noch nie gefallen. Und da das wirklich etwas ist, was wir aus unserer spielzeugfreien Zeit gelernt haben, schenken wir nur noch das, was die Kinder sich wirklich wünschen.

So wird es bei uns, aller Voraussicht nach, auf dem Geburtstagstisch unserer kleinen Großen wohl so aussehen:

  • Wunscherfüllung: eine Meerjungfraubarbie
  • neue Bücher, Hörspiele (große Begeisterung gerade für die „Kinder aus der Krachmacherstraße“ von Astrid Lindgren. Wir haben nur einzelne Geschichten, das soll also vervollständigt werden und ein Hörbuch für lange Autofahrten oder die Mittagsruhe kommt auch immer gut an. Kann man auch sehr gut an Großeltern auslagern).
  • Den „Frozen“-Film. Muss.
  • Von der Oma sollte es eigentlich die traditionelle Zoo-Jahreskarte geben. Nun wünscht sich die Kleine aber einen großen Schreibtischstuhl, weil wir einen alten Schreibtisch geschenkt bekommen haben, der mit den Kinderstühlen nicht funktioniert…
  • eine Halskette von Papa (expliziter Wunsch, nachdem L. mir zum Geburtstag eine Kette geschenkt hatte. Sie wünscht sich auch eine und zwar von Papa!)
  • ein riesengroßer Blumenstrauß
  • ihr Geburtstagskuchen
  • und ihr Lieblingssnack: Schokoüberzogene Erdbeeren

Und natürlich die Party. Die ist sowieso am Wichtigsten, genauso wie unser Geburtstagsmorgenritual des mit Singen und Kerzen geweckten Geburtstagskindes. Ich weiß gar nicht, wer sich mehr auf den Geburtstag freut – sie oder ich. Ach, doch, ich weiß es. Immerhin plant sie schon seit knapp einem Jahr…

Da dies eine gute Zeit ist, um auf das vergangene halbe spielzeugfreie Jahr zurückzublicken und zu resümieren, könnt ihr euch bald auf die nächste Bilanz freuen :).