Zeit schenken – Aufmerksamkeit geben

„Zeit schenken“ – das klingt immer so lapidar und zieht meistens ein „Aber“ nach sich („Aber die Kinder verstehen das doch gar nicht“, „Aber sie/er wünscht sich doch auch was ‚Richtiges'“, „Aber was denn“?).

Durch diesen, wie immer wunderbaren, Artikel auf Das Gewünschteste Wunschkind aller Zeiten in dem es darum geht, wie wir unseren Kindern die Aufmerksamkeit schenken können, die sie brauchen, habe ich darüber in letzter Zeit nochmal etwas mehr nachgedacht.

Vor einiger Zeit ergab es sich dann durch Zufall, dass ich beide Kinder ab mittags zuhause hatte. (Ich war mit der Kleinen beim Arzt und wir mussten so lange warten, dass es sich dann auch nicht mehr lohnte, sie in den Kindergarten zu bringen, also holten wir den Großen ab). Die leuchtenden Augen meines Sohnes, als ich um 13h im KiTa-Flur stand um ihn zu holen, sprachen Bände: Ein schöneres Geschenk hätte ich ihm nicht machen können! Wir hatten einen entspannten langen Nachmittag, deutlich weniger Streit und Stress als sonst und haben einander sehr genossen. Tatsächlich war dieses frühe Abholen fast noch schöner, als den ganzen Tag zuhause zu haben. Als ich meinen Sohn fragte, was er schöner fände: Gar nicht zur KiTa zu müssen (ja, so empfinden unsere Kinder das leider) oder als Mittagskind abgeholt zu werden, da sagte er ganz klar: Mittagskind!

Seitdem machen wir das öfter – jede Woche schaffe ich es leider nicht, aber es hat trotzdem etwas Regelmäßiges. Was kann ich den Kindern schöneres geben (schenken), als meine Zeit? Nichts schätzen sie tatsächlich mehr – zumindest in diesem Alter. Ja, ich muss mir dann frei nehmen und habe Verdienstausfall. Aber das ist es wert und ich denke mir auch, dass wir damit viel aufbauen und die Kinder ihren Speicher auffüllen können. Abgesehen davon ist es für mich auch wirklich schön, mal nicht nach der Arbeit in die KiTa zu hetzen und dann kaum noch was richtiges anfangen zu können, weil der Tag schon fast rum ist (ich schreibe das hier gerade am Ende des Winters!).

So, also meine These hier ist, dass Kinder mit geschenkter Zeit sehr wohl etwas anfangen und diese schätzen können. Besonders wenn so offensichtlich ist, dass die Eltern sich wirklich und extra für das Kind Zeit nehmen – wie das bei uns mit dem Früher-aus-der-KiTa-holen der Fall war. Ein Geburtstagsgeschenk könnte z. B. ein Familientag sein, an dem alle frei haben. Oder ein Wochenendtrip mit vom Kind gewünschten Ziel. Die vielbeschworene Jahreskarte für den Zoo ist für ein Kind von, sagen wir mal, 4 Jahren auch nicht zu abstrakt (wenn es den Zoo mag…).

Neulich am Wochenende haben wir mit den Kindern den Garten beackert und für den Frühling fit gemacht. (Unser „Garten“ ist ein kleines Stück Rasen im Innenhof, aus dem wir versuchen, das Beste herauszuholen…). M. mit der Säge beim Entasten eines Strauchs war das pure Glück. Mit E. spielte ich stundenlang (wirklich…) Federball-Verstecken („Mama, du darfst jetzt gerade mal nicht hinter der Sandküche gucken“ – Na klar…) und gemeinsam tüdelten wir die Wäscheleinen ab. Wir planten ein Klettergerüst mit den Kindern und versuchten, zwischen Wolkenkuckuchsheimen (eine Kletterwand bis aufs Hausdach rauf) und realisierbaren Wünschen (zwei Schaukeln nebeneinander) zu unterscheiden. Unsere Nachbarn kamen zum Planen dazu und die dann drei Kinder hatten aneinander Spaß (unsere beiden und unser einjähriges Nachbarskind lieben einander über alles).

Mit solchem „Zeitvertreib“ vermisst niemand das Spielzeug. Tatsächlich haben sie nach diesen Draußen-Tagen versucht, das Gefühl ins Kinderzimmer zu transportieren und bauen dort Klettertürme, binden Seile und Hängematten ans Hochbett und toben was das Zeug hält.

Unsere ganze Familie freut sich übrigens auch das ganze Jahr auf den Sommerurlaub und die Kinder sind emsig mit am Planen. Wir haben ein Einmachglas, in dem wir Kleingeld sammeln, um so die Urlaubskasse aufzubessern und in das auch die Kinder manchmal etwas von ihrem Taschengeld hineintun (sie bekommen 50 bzw. 10 Cent pro Woche…). Auch dies ist ein sehr reelles Geschenk, das wir uns allen machen und das niemand für selbstverständlich nimmt.