Ein spielzeugfreier Geburtstag?

Geburtstag 4

Ein Geburtstag steht an bei uns. Der Geburtstag eines dann fünfjährigen Mädchens, das Puppen liebt, am liebsten jeden Tag in den Spielzeugladen gehen würde, sich als Prinzessin verkleidet und deren Lieblingsbeschäftigung es ist, Krams (im wahrsten Sinne des Wortes) in Taschen zu packen, umzufüllen und neu zu sortieren. Ein Mädchen, das in einem spielzeugfreien Haushalt lebt. Naja, fast. Ihr wisst schon…

Ich tendiere ja dazu,  mich an selbst gestellte Regeln relativ streng zu halten.  Mein Mann zum Glück überhaupt nicht und das ist eine wunderbare Grundlage für ein entspanntes Leben. Ernsthaft!

Ein Beispiel aus unserem Leben ist unsere vegane Phase,  die wir ein gutes Jahr sehr streng durchhielten und sehr genossen. Dann haben wir aus verschiedenen Gründen unsere Ernährungsmaxime wieder für einige Tierprodukte geöffnet, womit ich ein großes Problem hatte,  da wir dann ja nicht mehr „vegan“ nach Lehrbuch waren und L. gerne sagte „Aber ich hab doch keinen Vertrag unterschrieben. Ich esse das,  was ich will,  nicht das,  was irgendwo definiert ist“.

Ähnlich geht es mir gerade bei diesem anstehenden fünften Geburtstag meiner Tochter. Sie ist so ein  wunderbarer Mensch und sie freut sich so sehr über Dinge,  eigentlich möchte ich ihr dauernd schöne Sachen schenken. Dass der Moment der Freude dann schnell vorüber ist,  die Sachen nur rumliegen und nicht geschätzt werden,  weiß ich,  und deshalb haben wir uns ja auch vom Konsum weitestgehend abgewandt. Aber am Geburtstag…

Geburtstag 4

Unsere Kinder haben sich mit dem spielzeugfreien Kinderzimmer sehr unterschiedlich entwickelt. M.,  der ältere (jetzt sechseinhalb) hat seine große Leidenschaft für Lego entdeckt bzw. ausgebaut,  spielt total konzentriert und verlangt selten nach anderem oder neuem Spielzeug. E. dagegen würde am liebsten jeden Tag in den Spielzeugladen gehen und will alles haben,  was sie sieht. Sie hat sich noch nicht so wichtig gefunden bzw. lässt sich sehr leicht ablenken. Interessanterweise ist sie aber diejenige,  die leichter und gerne allein spielt und schnell im Spiel versinkt. Mit ihren Puppen (oder gerne auch mit zwei Stöckchen)  spielt sie endlos Mutter und Kind (oder Baby und Schulkind) und ist voll im Flow. Und sie liebt Puppen.

Ihre Geburtstagsparty plant E. schon seit knapp einem Jahr (ja, seit dem Tag nachdem sie vier wurde). Sie möchte mit ihren Gästen auf einer Wiese Blumen pflücken (ja, wir sehen sehr viel Bullerbüfilme…), es sollen Ketten und Ringe gebastelt werden, viele kleine bunte Kuchen soll es geben. Alles machbar, wunderschön, sind wir total dabei.

Dann die Frage nach ihren Wünschen.
„E., was wünschst du dir zum Geburtstag?“
„Eine Prinzessin Lillifee, die größer ist als ich und die fliegen kann!“.
„…“

Dann kommt aber noch, nachgeschoben, deutlich unter ferner liefen, „Und eine Meerjungfrau-Barbie“. Hatte ich erwähnt, dass ich Barbies hasse? Immerhin weiß ich, dass sie die nicht will, weil sie auf absurd aussehende vollbusige Frauen mit Wespentaille steht (oder selbst so aussehen will), sondern weil sie handliche Puppen, die möglichst echt aussehen. Da gibt es wirklich nicht viele Alternativen (kennt ihr welche? Dann bitte her damit, jetzt!!!). Puppenstubenpuppen mit biegsamen Gliedern funktionieren nicht, normale Puppen findet sie zwar toll, erfüllen hier aber nicht den Zweck.

Und dann der erste Gedanke: Reicht das denn? Eine Barbie?
Es ist einfach irre schwer, davon loszukommen, seine Liebe mit einem vollen Geschenketisch auszudrücken. Außerdem ist da immer noch das Puppenhaus. Sie liebt Puppenhäuser. Bei Oma und Opa, bei Tanten – egal wo spielt sie damit hingebungsvoll, das Puppenhaus im Maditafilm lässt ihre Augen riesengroß werden. Wir würden ihr so gern eins schenken. Aber wir haben solche Angst vor herumliegendem Minimobiliar, vor dem großen Platzverlust im Kinderzimmer… und, viel wichtiger: Sie wünscht es sich nicht. Ja, wenn sie eins sieht sagt sie, sie will es haben. Aber beim Aufzählen ihrer Wünsche ist das Stichwort noch nie gefallen. Und da das wirklich etwas ist, was wir aus unserer spielzeugfreien Zeit gelernt haben, schenken wir nur noch das, was die Kinder sich wirklich wünschen.

So wird es bei uns, aller Voraussicht nach, auf dem Geburtstagstisch unserer kleinen Großen wohl so aussehen:

  • Wunscherfüllung: eine Meerjungfraubarbie
  • neue Bücher, Hörspiele (große Begeisterung gerade für die „Kinder aus der Krachmacherstraße“ von Astrid Lindgren. Wir haben nur einzelne Geschichten, das soll also vervollständigt werden und ein Hörbuch für lange Autofahrten oder die Mittagsruhe kommt auch immer gut an. Kann man auch sehr gut an Großeltern auslagern).
  • Den „Frozen“-Film. Muss.
  • Von der Oma sollte es eigentlich die traditionelle Zoo-Jahreskarte geben. Nun wünscht sich die Kleine aber einen großen Schreibtischstuhl, weil wir einen alten Schreibtisch geschenkt bekommen haben, der mit den Kinderstühlen nicht funktioniert…
  • eine Halskette von Papa (expliziter Wunsch, nachdem L. mir zum Geburtstag eine Kette geschenkt hatte. Sie wünscht sich auch eine und zwar von Papa!)
  • ein riesengroßer Blumenstrauß
  • ihr Geburtstagskuchen
  • und ihr Lieblingssnack: Schokoüberzogene Erdbeeren

Und natürlich die Party. Die ist sowieso am Wichtigsten, genauso wie unser Geburtstagsmorgenritual des mit Singen und Kerzen geweckten Geburtstagskindes. Ich weiß gar nicht, wer sich mehr auf den Geburtstag freut – sie oder ich. Ach, doch, ich weiß es. Immerhin plant sie schon seit knapp einem Jahr…

Da dies eine gute Zeit ist, um auf das vergangene halbe spielzeugfreie Jahr zurückzublicken und zu resümieren, könnt ihr euch bald auf die nächste Bilanz freuen :).

 

Spielzeugfreie Alternativen: Ein Tag im Wald

Spielzeugfrei_Wald-Titel

Eine neue Serie mit spielzeugfreien Alternativen auf dem Blog – wir fangen im Frühling an, das ist natürlich einfach, aber auch für trübe Regentage wird es Ideen geben!

Beim Nachdenken über das Reduzieren (oder ganz Weglassen…) von Spielzeug stellt sich oft die Frage: Und dann? Was machen die Kinder stattdessen?

Ganz ehrlich: Für die Kinder stellt sich diese Frage meistens nicht. Sie haben einen besseren Blick auf ihre Lieblingsspielzeuge, wenn ihnen die ganze Masse nicht mehr die Sicht verstellt. Sie basteln sich schnell aus vorhandenem Material Ergänzung, wenn etwas fehlt. Sie spielen mit ganz neuen Dingen – bauen Höhlen aus Sofakissen, vergnügen sich endlos mit einem Seil, das vorher nur in der Ecke lag und, und, und…

Habt ihr das Glück, eure Umstellung im Frühling oder Sommer anzufangen, dann geht einfach raus. Die Kinder werden es lieben und das Kinderzimmer wird beim ersten regnerischen oder kalten Drinnentag genug Anreize bieten, auch wenn die Regale etwas leerer sind.

Trotzdem ist es nicht schlecht, ein paar Tricks auf Lager zu haben. Die meisten davon machen sowieso Spaß, sie kombinieren Alltagsdinge mit so genannter „Quality Time“ und die Kinder haben die Möglichkeit, viel zu lernen.Wir haben hier natürlich das Rad nicht neu erfunden, aber manchmal ist es nicht schlecht, auf ganz Offensichtliches nochmal gestoßen zu werden, einfach, um es etwas in Erinnerung zu rufen.

Der erste Beitrag der spielzeugfreien Alternativen geht um den, wie ich finde, natürlichen Lebensraum von Kindern: Die Natur. In Berlin sagen wir: „Rausfahren“.

Spielzeugfrei_Wald-Titel

Es gibt wenig, was uns als Familie so gut tut, wie ein Tag am See oder im Wald. Die Sonne im Gesicht, Kinder, die sich stundenlang mit Stöcken am Wasser vergnügen… Da fehlt uns nichts.

Wald

Bei passendem Wetter suchen wir uns einfach eine schöne Stelle im Wald oder am See, an der wir dann bleiben. Im Idealfall kann man hier klettern (aber als Kind, ganz ehrlich, wo kann man NICHT klettern???), etwas Wasser ist natürlich etwas ganz feines, aber auch sonst gibt es genug zu entdecken. Gerade um Berlin gibt es oft ganz unverhoffte Sandflecken mitten im Wald – ein Traum! Haben wir dann Sandspielzeug dabei? Natürlich nicht… (nicht aus Überzeugung, sondern aus Vergesslichkeit… Ich bin froh, wenn ich eine Wasserflasche dabei hab!). Das macht aber nichts. Es gibt Stöcke zum Graben, Rinde zum Schaufeln, Hände – ach, Hände!

Spielzeugfrei-Wald-LaufradAn diesem Wochenende war zwar schöne Sonne, aber zum Sitzen war es uns (Erwachsenen) doch etwas zu kalt. Die Kinder laufen, seit ich aus Versehen verkündet habe, heute wäre Frühlingsanfang, eigentlich nur noch barfuß und ohne Jacke, die hätte es nicht gestört. Aber wir Erwachsenen gehen wahnsinnig gern spazieren. Die Kinder gehen wahnsinnig ungern spazieren. Das hat in der Vergangenheit schon öfter für größere Interessenskonflikte gesorgt. Zumindest an diesem Wochenende haben wir die perfekte Lösung für uns alle entdeckt: Wir haben ein Laufrad mitgenommen. Ja, EIN Laufrad. Für zwei Kinder, die eigentlich super laufen und Fahrrad fahren können. Aber das Laufrad, das ich immer nur als Vorstufe zum Fahrradfahren angesehen habe, hat einen ganz eigenen Reiz und es hat auch für unsere Zwecke diesmal immense Vorteile gehabt: Klein genug, um es zwischendurch auch mal zu tragen. Fährt super auf Waldboden. Beide Kinder passen trotz Größenunterschied irgendwie drauf. Wir haben es nicht so oft dabei, also auch der Seltenheitswert war nicht zu unterschätzen.

Spielzeugfrei_Wald-Stöcke

Statt dem üblichen Bild (zehn Meter vom Auto weg hat der erste Hunger, die zweite kann nicht mehr und will getragen werden, dreißig Meter weiter kommt ein kurzes Schattenstück, allen ist kalt. Es ist laaangweilig… Wann sind wir da? Der zweite kann nicht mehr – theatralisches Zusammenbrechen am Waldrand. Ältere Spaziergänger kommen vorbei und lächeln mitleidig. Fünfzig Meter weiter bin ich eigentlich bereit umzukehren, L. trägt heroisch mindestens ein Kind auf den Schultern, dazu den Rucksack und mehrere Jacken, während ich das andere Kind emsig auf „tolle Käfer“, „seltene Blätter“ usw. aufmerksam mache…) sah man uns also diesmal flott vom Auto losstratzen und so ging es auch weiter. Ein Kind fuhr, das andere rannte hinterher, voraus, nebenher, schob an, mit den unvermeidlichen Stöcken spielten sie bald Tjosten und Ritterkampf. Jeder kleine Hügel wurde zum Berg, den sie abwechselnd runterfuhren und viel zu schnell waren wir schon am alten Forsthaus (wichtige „Regel“ Nummer 2 für Familienausflüge: Ein Ziel haben, möglichst mit Essbarem und / oder Tieren), wo es heißen Holundersaft und Wildleberwurstbrot gab, außerdem Hühner und Esel zum Angucken, Nachmachen und Streicheln und, ha!, einen tollen Berg, den die beiden dann (zu zweit auf dem Laufrad – hatte ich schon erwähnt, wie froh ich bin, dass wir das mitgenommen haben?) immer und immer wieder in einem Affenzahn runtergesaust sind. Zur Freude aller anderen Ausflügler.

Der Rückweg war streckenweise etwas zäh (es war auch schon spät), aber als auf der Zielgeraden (ein Kind saß schon auf den Papaschultern), der Große dann auch nicht mehr konnte und das Laufrad liegen ließ, hab ich mich kurzerhand draufgesetzt und plötzlich wurde ich Bis. Zum. Auto. Geschoben!  Sachen gibt’s…

laufrad

 

Spielzeugfreies Badezimmer

Badespielzeug

Badewanne-GießkanneSpielzeug im Badezimmer? Naja, in der Badewanne wollen die Kinder sich ja nicht entspannt bei Kerzenschein zurücklegen. Sie wollen planschen und spielen. Um sie (und das Wasser) dabei möglichst innerhalb der Wanne zu halten, haben wir ihnen ganz schnell alles mögliche Spielzeug dazu gegeben. Mein persönliches Lieblings-Fail dabei: diese kleinen Gummi-Spritztiere! – Ekelhaftes Material, die Kinder kapieren den Mechanismus überhaupt nicht und außerdem BLEIBT DAS WASSER DANN NATÜRLICH NICHT IN DER BADEWANNE.

Mittlerweile bin ich auch hier der Überzeugung, dass Kinder zum Baden kein Spielzeug brauchen, sondern Zeug (das ihr schon habt) zum Spielen. Mal ganz abgesehen von diesem fürchterlichen, weichgemachten Gummi, mit dem die Kinder am liebsten gar nicht und schon mal ganz überhaupt nicht nackt in Berührung kommen sollen. Gerade mit den Spritztieren wird dann auch mal gerne in den Mund gespritzt… bäh!

Also, hier kommen unsere Lieblinge für spielzeug- und möglichst schadstofffreien Badespaß:

  1. BadespielzeugAuf Platz 1 ganz klar leere Shampooflaschen. Zum Umfüllen, Wasser über den Kopf gießen, Spritzen (es geht einfach nicht ohne), schwimmen lassen, untergehen lassen. Wer hätte gedacht, was man alles mit einer leeren Shampooflasche anstellen kann? Noch besser sind zwei – dann kann man besser umfüllen. Oder drei. Oder vier… Also, NUR Shampooflaschen wäre eigentlich schon OK. (Die herkömmlichen Plastikflaschen sind nun natürlich auch nicht gerade der Ökohit. Meine ist von einem ultrateuren Bioshampoo und aus Hartplastik, da hab ich ein vergleichsweise gutes Gefühl. Besser als Weichgummispritztiere sind sie allemal.
  2. Badewannen-BootPlaymobil-Männchen. Hätte ich nie gedacht, aber die haben sich die Kinder bald selbst geholt und spielen damit versonnen beim Baden. Sehr süß und auch sehr ruhig. Es sei denn, ein Männchen springt immer aus der Wanne und muss wieder reingeholt werden…
  3. Gießkanne. Wir haben im Schwimmbad mal so eine kleine Plastikgießkanne gefunden und unser Mädchen hat sich so innig verliebt, dass wir sie mitgenommen haben, als der Besitzer nicht auffindbar war. Eine zweite musste schnell für den Bruder einziehen und sie machen ähnlich viel Spaß wie die Shampooflaschen.
  4. Waschlappen. Zum Auswringen, Füllen, Schwimmen lassen, anderen an den Kopf werfen…

BadefarbenMehr braucht’s eigentlich nicht. Was die Kinder sonst noch sehr lieben, sind Badezusätze, besonders die Badewasserfarben. Knisterbad ist für kleinere Kinder oft etwas Unheimlich… Badeknete haben wir auch ausprobiert, fanden die Kinder auch ganz OK, aber die Wanne sah nachher echt abenteuerlich aus und es geht auch gut ohne, finde ich…

Unsere Badewannenspielzeuge haben wir in einer Holzkiste im Badregal liegen. Wenn die Kinder in die Wanne gehen, suchen sie sich daraus etwas aus – es ist also selten alles zusammen in der Wanne.

Neulich haben wir abends (ich wünschte mir etwas Ruhe) übrigens das Licht gedimmt, einen Lavendelbadezusatz reingemacht und Kerzen angezündet und dabei habe ich dann vorgelesen. DAS war ein Erlebnis für die Kinder, sie waren begeistert!

Spielzeugfrei und Frühförderung

Frühförderung (1)

Frühförderung (1)

Die Spielzeugflut in den Kinderzimmern hat, so zeigen Gespräche mit und Kommentare von Eltern sowie unseren eigene Erfahrungen, in fast allen Familien eigentlich die gleichen Gründe. Oder besser gesagt: Der Versuch, das Spielzeug zu reduzieren scheitert an den gleichen Gründen. Das sind bei nahezu allen Familien die Großeltern oder, etwas neutraler formuliert, die Schenkenden (es sind aber wirklich meistens die Großeltern…). Die andere große Hürde sind die Eltern selbst und hier oft ihre Angst, den Kindern ohne Spielzeug etwas Wichtiges vorzuenthalten. Stichwort: Frühförderung!

Ich erinnere mich noch sehr gut, als eine Mutter aus unserer Krabbelgruppe bei der zweiten Geburtstagsfeier ihres Sohnes ihr Geschenk – ein Puzzle – damit kommentierte, er möge das zwar nicht, aber er müsse ja nun mal langsam puzzeln lernen. Ich weiß noch, wie verwundert ich damals war. Puzzeln stand bei M. damals sowas von überhaupt nicht auf dem Plan (das kam erst viel später und auch dann nur kurz) und ich hatte tatsächlich kurz Angst: Huch, er muss jetzt puzzeln können? Haben wir was verpasst??? Ich hab es dann für mich abgeschrieben und das Kind ist auch so glücklich 6 geworden und kann jetzt puzzeln. Andere (feinmotorische) Dinge kann er aber viel besser – z. B. superkrasse Flugzeuge ohne Anleitung aus Lego bauen oder mit dem Schnitzmesser umgehen.

WaldEine andere Begebenheit war eine Freundin von mir, die sagte, sie „könne“ ihre Kinder nie in eine Waldkita geben (immer unser Traum gewesen), weil sie da ja nicht lernen würden, mit Scheren umzugehen, zu malen, basteln usw. Das habe ich nun schon damals nicht verstanden, denn erstens haben die Kinder ja durchaus noch ein Leben außerhalb der KiTa und außerdem geht es z. B. beim Schneiden ja nicht nur um das Üben mit der Schere selbst, sondern vor allem um die nötige Feinmotorik und das vernetzte Denken, das sie aber wunderbar im Wald lernen – beim Basteln mit Stöcken, beim Aufschichten von Steinen und, und, und…

Wie dem auch sei – es gibt also oft Gelegenheiten, bei denen vielen Gedanken à la „Aber lernt mein Kind dann genug?“ kommen. Ich bin, wie ihr wisst, überzeugte Verfechterin der These, das Kinder alles aus sich selbst heraus lernen. Natürlich nicht in einem leeren und anregungslosen Raum. Aber sie brauchen kein Puzzle um puzzeln zu lernen, sie brauchen keinen Steckkasten, um Formen zu begreifen und sie brauchen mit Sicherheit kein Spielzeug um sich drehen, krabbeln, laufen, greifen usw. zu lernen. Sie brauchen Alltag. Alltagsgegenstände. Vorbilder – Kinder wie Erwachsene. Sie brauchen Möglichkeiten, (sich) auszuprobieren, Fehler zu machen und selbst daraus zu lernen, ohne dass wir ihnen sofort sagen dass A) das jetzt gerade falsch war und B) sie es folgendermaßen besser machen können.

Was heißt das nun für spielzeugfrei? Bleiben die Kinder hinter ihren Altersgenossen auf der Strecke, weil sie kein Spielzeug haben?

Erstmal: Wohl die wenigsten haben wirklich KEIN Spielzeug. Es geht ja, auch bei uns, eher um das Reduzieren.

Spielzeugfrei macht kreativer. Das wurde im spielzeugfreien Kindergarten beobachtet, das erzählen Familien, die ebenfalls reduziert haben, das beobachten wir bei unseren Kindern und es macht irgendwie auch einfach Sinn. Wenn nicht alles vorgekaut da liegt, macht man sich selber Gedanken – ganz einfach.

Das Schöne am spielzeugfreien Kinderzimmer ist, dass die Kinder nach ihrem Interesse spielen können, ohne Vorgaben, mit Dingen ihrer Wahl und in dem Themenbereich, der sie gerade beschäftigt. Ich bin sicher, sie lernen eher mehr als andere Kinder mit einem vollen Kinderzimmer. Das Plus ist die Kreativität – es ist eben nicht alles gleich verfügbar, manches muss man sich erst überlegen und basteln und dabei nochmal diverse andere Fähigkeiten anwenden.

Was, wenn mein Kind dann mit manchen Dingen gar nicht mehr spielt, wenn ich sie wegräume?

Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit passieren. Denn die meisten ihrer Spielzeuge haben sich eure Kinder nicht selbst ausgesucht. Würdet ihr Kleidung anziehen, die euch jemand anders in den Schrank gelegt hat?

Was ihr nicht befürchten müsst ist, dass die Kinder Spielzeug, das weggeräumt wurde, vergessen. Ganz sicher nicht. Beispiele? Gerne!

Unsere Kinder haben einige Puzzle. Sie haben früher mal ein bisschen gepuzzelt, so richtig den Drive hatten sie dabei aber nie. Sie liegen im Schrank und sehen nie das Tageslicht. Bis neulich – da holten sie sie plötzlich raus und puzzelten ohne Pause. Ziemlich schnell war mir klar, dass für M. die meisten Puzzle plötzlich zu leicht waren und wir kauften ihm ein neues, schwereres, das er dann oft puzzelte. Dann verschwanden sie wieder im Schrank und liegen da seitdem. Bis zum nächsten „Anfall“. Außer Sicht, aber nicht vergessen.

Noch ein Beispiel: M. hat Buchstabenstempel. Irgendwann mal, ich glaube zum 4. Geburtstag gekriegt. Haben ihn bisher nie wirklich interessiert, aber neulich hat er sich morgens stundenlang damit beschäftigt und alle Worte gestempelt, die er schon irgendwie buchstabieren konnte.

Dass dann (teure) Spielzeuge ungenutzt im Schrank bleiben ist, wie so oft, eher euer Problem…

Ein sehr schönes Buch zum Thema Frühförderung ist übrigens „Die Kindheit ist unantastbar: Warum Eltern ihr Recht auf Erziehung zurückfordern müssen“ von Herbert Renz-Polster.

Alles von dem wunderschlauen Menschen Gerald Hüther ist ebenfalls sehr lesens- und hörenswert und wird, wenn ihr ihn noch nicht kennt, Eure Ansichten in Bezug auf Lernen und Entwicklung revolutionieren.

 Wie seht ihr das? Freut ihr euch am leeren Zimmer und an jedem Spielzeug, das aussortiert wird, oder schwingt eher Beunruhigung mit?
Spielzeugfrei bei uns heißt:
Wir haben alles Spielzeug aus dem Kinderzimmer herausgenommen, es ist für die Kinder aber jederzeit rückholbar. Unsere Anfangsregel „Jeder darf 3 Spielzeuge im Zimmer behalten und von Zeit zu Zeit austauschen“ wird relativ lax gelebt. Oft wird nur eine Sache gewünscht, manchmal wochenlang nicht getauscht, und manchmal möchten die Kinder mehr als drei Dinge haben. Da es uns nicht um das Durchsetzen von Regeln, sondern um ein harmonisches Miteinander geht, schieben wir keine Riegel vor. Die Kinder haben in den ersten Wochen selbst gesehen, wie viel besser es ihnen im „leeren“ Zimmer geht und wollen selten viele Spielzeuge zur gleichen Zeit haben. Das Tauschen macht ihnen Spaß und hilft ihnen, sich besser auf ihre gegenwärtigen Spielzeuge zu konzentrieren.
Für uns war diese Methode wesentlich gangbarer, als ein endgültiges Aussortieren von Spielzeugen. So konnten die Kinder problemlos ihr Zeug wegräumen, da sie wussten, sie können es theoretisch jederzeit wieder haben.

Zeit schenken – Aufmerksamkeit geben

„Zeit schenken“ – das klingt immer so lapidar und zieht meistens ein „Aber“ nach sich („Aber die Kinder verstehen das doch gar nicht“, „Aber sie/er wünscht sich doch auch was ‚Richtiges'“, „Aber was denn“?).

Durch diesen, wie immer wunderbaren, Artikel auf Das Gewünschteste Wunschkind aller Zeiten in dem es darum geht, wie wir unseren Kindern die Aufmerksamkeit schenken können, die sie brauchen, habe ich darüber in letzter Zeit nochmal etwas mehr nachgedacht.

Vor einiger Zeit ergab es sich dann durch Zufall, dass ich beide Kinder ab mittags zuhause hatte. (Ich war mit der Kleinen beim Arzt und wir mussten so lange warten, dass es sich dann auch nicht mehr lohnte, sie in den Kindergarten zu bringen, also holten wir den Großen ab). Die leuchtenden Augen meines Sohnes, als ich um 13h im KiTa-Flur stand um ihn zu holen, sprachen Bände: Ein schöneres Geschenk hätte ich ihm nicht machen können! Wir hatten einen entspannten langen Nachmittag, deutlich weniger Streit und Stress als sonst und haben einander sehr genossen. Tatsächlich war dieses frühe Abholen fast noch schöner, als den ganzen Tag zuhause zu haben. Als ich meinen Sohn fragte, was er schöner fände: Gar nicht zur KiTa zu müssen (ja, so empfinden unsere Kinder das leider) oder als Mittagskind abgeholt zu werden, da sagte er ganz klar: Mittagskind!

Seitdem machen wir das öfter – jede Woche schaffe ich es leider nicht, aber es hat trotzdem etwas Regelmäßiges. Was kann ich den Kindern schöneres geben (schenken), als meine Zeit? Nichts schätzen sie tatsächlich mehr – zumindest in diesem Alter. Ja, ich muss mir dann frei nehmen und habe Verdienstausfall. Aber das ist es wert und ich denke mir auch, dass wir damit viel aufbauen und die Kinder ihren Speicher auffüllen können. Abgesehen davon ist es für mich auch wirklich schön, mal nicht nach der Arbeit in die KiTa zu hetzen und dann kaum noch was richtiges anfangen zu können, weil der Tag schon fast rum ist (ich schreibe das hier gerade am Ende des Winters!).

So, also meine These hier ist, dass Kinder mit geschenkter Zeit sehr wohl etwas anfangen und diese schätzen können. Besonders wenn so offensichtlich ist, dass die Eltern sich wirklich und extra für das Kind Zeit nehmen – wie das bei uns mit dem Früher-aus-der-KiTa-holen der Fall war. Ein Geburtstagsgeschenk könnte z. B. ein Familientag sein, an dem alle frei haben. Oder ein Wochenendtrip mit vom Kind gewünschten Ziel. Die vielbeschworene Jahreskarte für den Zoo ist für ein Kind von, sagen wir mal, 4 Jahren auch nicht zu abstrakt (wenn es den Zoo mag…).

Neulich am Wochenende haben wir mit den Kindern den Garten beackert und für den Frühling fit gemacht. (Unser „Garten“ ist ein kleines Stück Rasen im Innenhof, aus dem wir versuchen, das Beste herauszuholen…). M. mit der Säge beim Entasten eines Strauchs war das pure Glück. Mit E. spielte ich stundenlang (wirklich…) Federball-Verstecken („Mama, du darfst jetzt gerade mal nicht hinter der Sandküche gucken“ – Na klar…) und gemeinsam tüdelten wir die Wäscheleinen ab. Wir planten ein Klettergerüst mit den Kindern und versuchten, zwischen Wolkenkuckuchsheimen (eine Kletterwand bis aufs Hausdach rauf) und realisierbaren Wünschen (zwei Schaukeln nebeneinander) zu unterscheiden. Unsere Nachbarn kamen zum Planen dazu und die dann drei Kinder hatten aneinander Spaß (unsere beiden und unser einjähriges Nachbarskind lieben einander über alles).

Mit solchem „Zeitvertreib“ vermisst niemand das Spielzeug. Tatsächlich haben sie nach diesen Draußen-Tagen versucht, das Gefühl ins Kinderzimmer zu transportieren und bauen dort Klettertürme, binden Seile und Hängematten ans Hochbett und toben was das Zeug hält.

Unsere ganze Familie freut sich übrigens auch das ganze Jahr auf den Sommerurlaub und die Kinder sind emsig mit am Planen. Wir haben ein Einmachglas, in dem wir Kleingeld sammeln, um so die Urlaubskasse aufzubessern und in das auch die Kinder manchmal etwas von ihrem Taschengeld hineintun (sie bekommen 50 bzw. 10 Cent pro Woche…). Auch dies ist ein sehr reelles Geschenk, das wir uns allen machen und das niemand für selbstverständlich nimmt.

Bücher im spielzeugfreien Kinderzimmer

Bücher (3)

Viele Fragen, die uns zum Thema spielzeugfreies Kinderzimmer gestellt werden, drehen sich um die Bücher. Als Buchliebhaber (wir selbst sind auch bekennende solche) möchte man diese Leidenschaft natürlich an die Kinder weitergeben und Bücher sind, bis auf wenige Ausnahmen, auch gemeinhin als sehr gewinnbringend für die kindliche Entwicklung angesehen.

Bei uns gab es Bücher, sobald die Kinder Gegenstände in der Hand halten konnten, und zwar erstmal alle, an die wir uns aus unserer Kindheit noch erinnern konnten bzw. die es noch gab. Für mich ist ein Leben ohne Astrid Lindgren unvorstellbar und diese Leidenschaft habe ich auch erfolgreich an die Kinder weitergegeben. Die Großeltern schenken zuverlässig Kinderbücher aus der Reihe der Süddeutschen Zeitung oder aufgrund anderer Literaturempfehlungen und bis auf einen Reinfall hatten wir dabei sehr schöne Bücher und zum Teil echte Perlen.

Obwohl wir den Kindern von Anfang an große Achtung vor dem Buch einimpften (nicht in den Mund, nicht reißen usw.), flogen sie natürlich zum Teil doch im Kinderzimmer herum und wurden auch manchmal zerstört. Irgendwann wurde uns das abendliche Vorlesebuch-Aussuchen zu viel, denn es dauerte mittlerweile ewig und es wollten dann auch noch beide Kinder eine Geschichte aussuchen – also zwei Mal ewig!

Bis dahin hatten wir die Bücher in einem ganz normalen Bücherregal, das vom Bett aus erreichbar war. Für die Kinder war das ungünstig, denn es ist nicht immer so leicht, ein Buch allein am Buchrücken zu erkennen – ohne lesen zu können. Unsere zweite Aufbewahrungsidee waren große Holzisten, in denen die Bücher, wie früher die Schallplatten (jedenfalls bei uns zu Hause…) durchgeblättert werden konnten. Das war OK. Wir hatten zwei Kisten voll und dann noch einige kleinere Bücher, die in den Kisten untergegangen wären. Das Nonplusultra war es immer noch nicht und die Kinder brauchten abends eher noch länger, weil die Bücher besser zu sehen waren…

Unsere jetzige Lösung,  mit der alle im Haus sehr glücklich sind, sieht so ähnlich aus, wie unser Kinderzimmerkonzept generell: Alle Kinderbücher haben wir aus dem Kinderzimmer rausgenommen (und dabei einmal ordentlich durchsortiert, denn wir hatten auch so einige „Leichen“, die einfach nie angeschaut wurden). Jetzt stehen die Kinderbücher bei uns im großen Bücherregal (im Flur) – auf den unteren beiden Regalreihen und somit für die Kinder gut erreichbar aber – Achtung, Knackpunkt – außer Sichtweite im Kinderzimmer.

BücherregalIm Kinderzimmer gibt es ein Bücherregal, in dem die Bücher mit dem Cover nach vorne nebeneinander stehen, also alle jederzeit sichtbar sind. Es ist in der Vorlese- bzw. Kuschelecke angebracht – also genau an der Stelle, an der dann auch gelesen wird.  Im Kinderzimmer sind also ca. 10 Bücher. Wenn die Kinder sich neue Bücher holen, sortieren wir einige wieder ins große Regal. Und wenn uns Vorlesern die Auswahl langweilig wird, dann tauschen wir auch aus.

Das zweite Regal haben wir am Bett angebracht – da die Kinder bei uns mit im Bett schlafen, ist dieses Regal nicht im Kinderzimmer und die Bücher tauchen tagsüber sozusagen gar nicht auf. Auch hier tauschen wir nach gusto aus bzw. die Kinder bringen sich Bücher mit ins Bett und dafür nehmen wir dann manchmal ältere wieder ins große Regal im Flur.

Diese Lösung ist für uns perfekt – seitdem fliegen keine Bücher mehr rum, die wahren Schätze sind allen viel klarer und die Auswahl am Abend ist übersichtlich. Besonders schön ist auch, wenn einer ein sehr lange nicht mehr gelesenes Buch hervorholt – große Wiedersehensfreude!

Ein Wort noch zu unserem „großen Bücherregal“: Früher hatten wir den Traum einer riesigen Bücherwand mit all unseren Büchern. Wir kauften und wünschten uns tausende Bücher – manche zum Lesen, manche auch eher aus Prestige oder weil sie so schön aussahen. Da sich der Rest unserer Wohnsitutation nie diesem Traum der Bücherwand anpasste (sprich: Die Wohnungen waren einfach immer zu klein), mussten wir irgendwann aussortieren. Ich bin eine echte Leseratte und lese ein Buch an ein bis zwei Abenden durch. Von Urlauben gar nicht zu reden. Ja, trotz Kindern. Es waren also wirklich eine Menge Bücher, aber es gab nur wenige davon, die ich wirklich nochmal lesen oder anschauen würde. Alle anderen kamen weg (momox.de…) und L. schenkte mir einen Kindle. Fand ich erst nicht so toll – man muss das Buch doch anfassen können! Es gibt auch immer noch Bücher, die ich mir als echtes Buch kaufe. Aber die meisten, diese „Ein Mal Lesen und dann nie wieder“-Bücher, die sind nach einige Eingewöhnung super auf dem E-Book-Reader.
Insofern haben wir jetzt zwei Billy-Regale, in denen die Bücher der ganzen Familie drin sind. Und wir müssten mal wieder aussortieren…

 

Unsere Lieblingsbücher

Für alle Interessierten, einige (!) unserer Lieblingsbücher sind diese hier (grob nach Alter geordnet):

  • Gute Nacht,  Gorilla (Peggy Rathmann)
    Dieses Buch bekamen wir von Freunden zum ersten Geburtstag des ersten Kindes und verschenken es seitdem zuverlässig zu ersten Geburtstagen. Ein sehr süßes Buch ohne Text mit viel subtilem zum Entdecken und Witz (für die Eltern).
  • Der Grüffelo (Julia Donaldson, Axel Scheffler)
    Ein Klassiker unter den neuen Kinderbüchern. Manchmal lesen wir mit verstellten Stimmen, manchmal sprechen die Kinder den Text vor – immer wieder schön!
  • He Duda (Jon Blake, illustriert auch von Axel Scheffler)
    Einfach ein lustiges Buch und wir mögen die Scheffler-Illustrationen sehr.
  • Astrid Lindgren – alles (altersmäßig noch nicht gelesen haben wir „Die Brüder Löwenherz“ und „Mio, mein Mio“)
  • Eine Dose Kussbonbons (Michel Gay)
    (schön vor der ersten KiTa-Fahrt oder Übernachtung bei den Großeltern)
  • Das beste überhaupt – Meerschwein sein (Lorenz Pauli)
    Wunderschöne Bilder, eine herrliche Geschichte, pädagogisch wertvolle Moral und überhaupt: Meerschweine!
  • Janosch. Ähnlich wie Astrid Lindgren. Wir mögen am liebsten den kleinen Bär und den kleinen Tiger, aber auch das „Regenauto“ finden die Kinder z. B. super. Beim Vorlesen stolpert man manchmal über die Janosch-Sätze, aber die Kinder hat’s bisher noch nicht gestört.
  • Dunkel (Lemony Snicket)
    Erstmal dachte ich, oh, was haben sich die Großeltern denn nun gedacht??? Dunkelheit steht hier nicht so hoch im Kurs… Muss man ja nicht unbedingt noch ein unheimliches Buch drüber vorlesen!
    Beim ersten Lesen hatten wir (und die Kinder) etwas gemischte Gefühle, wo das denn nun hinführen soll), aber dann ist es eine so schöne Geschichte über „Das Dunkel“, das wir sie nun sehr gerne und oft lesen.
  • Frerk, du Zwerg (Finn-Ole Heinrich)
    Total abstrus, aber die Kinder liegen regelmäßig vor Lachen auf dem Boden!
  • und viele, viele mehr. Wir lassen euch in Zukunft mal teilhaben, was wir gerade lesen!

Spielzeug der Woche am 14. Februar 2016

DSCN6648

Die „Spielzeug der Woche“-Rubrik können wir ja gar nicht so regelmäßig posten, wie ich mir das ursprünglich gedacht hatte, weil die Kinder sich nicht brav sonntags neues Spielzeug aussuchen, sondern manchmal wochenlang gar nicht wechseln und manchmal drei Mal die Woche neues Spielzeug wollen. Heute haben wir aber mal wieder richtig aufgeräumt (das machen wir immer dann, wenn der Staubsauger mal durch MUSS) und in dem Zug auch alles Spielzeug wieder weggeräumt und die Kinder dann neu aussuchen lassen. Das geht mittlerweile wirklich fix. DSCN6648 Heute gingen nochmal ein paar Kisten in den Keller, die seit Monaten wirklich gar nicht mehr gefragt sind – das sind bei uns die Tiere (also Schleichtiere, gehäktelte Tiere, Duplo und Playmo und sowas), die Duplosteine (sind inzwischen komplett von Lego verdrängt) und außerdem die Duplo-Eisenbahn. Damit haben wir im Zimmer mittlerweile eine extrem übersichtliche Anzahl von Kisten mit Spielzeug auf dem Schrank (unser Platz für Spielzeug, das aktuell nicht gefragt ist). DSCN6653 Wie ihr seht, gibt es folgende Kisten:

  • Kuscheltiere
  • Puppen
  • Autos (unbeschriftet, Schild ist wohl abgefallen, seh ich jetzt erst 😉
  • Playmobil

Dazu stehen, quasi als Deko, noch das große Baumhaus, ein Piratenschiff und eine Ritterburg im Kinderzimmerregal. Die stehen so hoch, dass sie nicht einfach so heruntergenommen werden und sehen schön aus 🙂 DSCN6652 Im Schrank selber sind noch die Gesellschaftsspiele, zwei ferngesteuerte Autos, die eher in der sonnigen (trockenen) Jahreszeit ihren Auftritt haben und hinter den Glastüren ist altes Spielzeug aus meiner und L.s Kindheit (eher so Museumscharakter). In unserem Schlafzimmer steht noch eine Kommode mit

  • Kinderküchensachen
  • Taschen, Tüchern und Decken
  • Krimskrams

Das war’s. Und aktuell im Zimmer hat M. mittlerweile dauerhaft sein Lego – das räumen wir gar nicht mehr außer Reichweite, weil er immer damit spielt. DSCN6651 E. hatte sich heute ihre Babypuppe und eine ganz kleine, mit der sie eher selten spielt, die aber heute tagsüber immer Gesprächsthema bei den Kindern war, gewünscht. Da ich beim Aufräumen auch noch M.s selbstgebautes Holzflugzeug auf dem Regal abgestellt hatte, waren sie schnell vertieft im Spiel – die Puppen durften im Zimmer herumfliegen… DSCN6650 Die typische Reaktion der Kinder nach dem Komplettaufräumen ist übrigens IMMER Jubelgeschrei und dann Getobe, weil so viel Platz zum Springen im Zimmer ist.

Wie viel Spielzeug braucht ein Kind?

Schlittenfahren

Neulich erreichte mich ein Kommentar „Meine Einjährige hat wenig Spielzeug, aber so ganz ohne geht es doch nicht, sie kann ja noch nichts selber basteln oder Rollenspiele spielen“. Das stimmt, das geht mit so Kleinen natürlich nicht. Aber ganz ehrlich: Meine Kinder wollten in dem Alter eigentlich immer bei mir bzw. ihrem Papa sein und mit allem spielen, was wir gerade hatten. Schneebesen, Handy (aaaahhh), Topfschrank ausräumen, Schüsseln stapeln…

Dass sie wirklich alleine spielen, das hat so viel später angefangen. Jetzt sind sie 4 und 6 und JETZT erst (na gut, seit einigen Monaten) sitzen L. und ich am Wochenende manchmal nach dem Frühstück in der Küche und denken uns, hey, jetzt könnte man glatt Zeitung lesen!

Wie schon früher gesagt, würde ich mit Spielzeug wirklich warten, bis sich die Kinder Dinge wünschen. Das ist schwierig, wirklich schwierig, ich weiß. Der größte Feind des spielzeugfreien Kinderzimmers sind tatsächlich die Eltern, das wird mir immer klarer. Natürlich sortieren Kinder nicht gerne aus und sie räumen auch nicht gerne auf. Aber wir reden hier meistens über 2 – 6-jährige. So kleine Kinder sind alles, nur nicht verantwortlich dafür, wie es in ihrem Zimmer aussieht. Die meisten Dinge darin, haben sie nie haben wollen. Sie haben sie einfach bekommen, weil wir Eltern (oder oft noch die Großeltern) dachten, sie bräuchten das. Oder weil es uns in unserer Kindheit so viel Spaß gemacht hat, damit zu spielen. Oder weil wir es gern gehabt hätten aber nie bekommen haben. Oder, oder, oder…

Zum ersten Geburtstag unseres ersten Kindes haben wir uns das Gehirn zermartert. Wir wollten ihm so gerne etwas schenken und es sollte auch was ganz tolles sein und überhaupt. Bekommen hat er ein Schiebetier aus Holz und einen Brummkreisel. Damit hat er NIEMALS gespielt.

Unser Geschenk zum 2. Geburtstag war ein Puppenherd. Dazu gab es noch kleine Töpfe, Pfannen und Kochlöffel, außerdem Puppengeschirr. Für uns war klar, dass jedes Kind eine Puppenküche braucht. Er hat damit in seinem Leben nicht ein Mal gespielt. Von Freunden bekam er Stoffobst und -gemüse. Nie angefasst. Als seine Schwester größer wurde, deren Interesse das eher traf, fingen sie an, das Puppengeschirr und die Töpfe zu benutzen. Den Herd und das Stoffobst brauchten sie aber nicht. Meistens gab es Picknick auf einer Decke auf dem Kinderzimmerboden und die Töpfe waren gefüllt mit Kastanien und Steinen. Ich kaufte ihnen kleine Gläschen und befüllte sie mit den Steinen und Kastanien. Die Gläschen nutze ich inzwischen in der Küche, denn die Kinder ließen sie komplett links liegen und verstauten die Teile lieber gleich in den Töpfen oder in Körben (davon hatten sie auch diverse im Kinderzimmer).

Was will ich euch damit sagen? Nicht nur BRAUCHEN Kinder kein vorgefertigtes Spielzeug, sie WOLLEN es oft wirklich gar nicht.

Sie brauchen die Gelegenheit, sich an Alltagsgegenständen zu bedienen, draußen Stöcke, Steine, Kastanien, Eicheln usw. zu sammeln. Sie brauchen Zugang zu Bastelmaterial und toll wäre natürlich auch jemand, der anfangs mit ihnen zusammen bastelt, baut oder malt. Unsere Kinder sind seit jeher leidenschaftlich dabei wenn es daran geht, Möbel aufzubauen, etwas auseinander- oder zusammenzuschrauben. Ich meine, Akkuschrauber sind wirklich kinderleicht zu bedienen, das schaffen Zweijährige mit links (und einer helfenden Hand ;)).

Nochmal: Ich weiß, dass es schwierig ist. Wenn man das wirklich durchzieht, bedeutet das, das das Kind bis es ungefähr drei Jahre alt ist, wirklich KEIN SPIELZEUG hat. Dafür braucht man als Eltern wirklich viel Überzeugung und Vertrauen.

Da die meisten von uns nun schon Kinder haben und diese Kinder inzwischen auch Spielzeug haben, müssen wir uns für eine abgespeckte Variante entscheiden. Unsere Herangehensweise kennt ihr ja nun inzwischen – wir haben das Kinderzimmer leer geräumt und die Kinder holen sich ein bis drei Dinge zum Spielen. Mit denen spielen sie dann tatsächlich und sie wissen auch immer ganz genau, was sie haben wollen. Und ist es verwunderlich? Es sind immer nur, ausnahmslos, die Dinge, die sie sich selbst gewünscht haben.

Unsere Tochter hat sechs Puppen. Drei davon hat sie sich gewünscht, drei sind von mir früher bzw. von der Oma genäht. Mit welchen spielt sie wohl?
Erinnert ihr euch an unsere Weihnachtsgeschenke? Die Kleine hatte sich „Anna und Elsa“-Puppen gewünscht (unser Zugeständnis, sie wollte natürlich eigentlich die Barbies). Die hat sie von uns bekommen und außerdem das süße Grimm’s Bauhaus als Puppenhaus. Sie spielt unheimlich viel mit Anna und Elsa. Mit dem Puppenhaus nicht.

Es kostet etwas Überwindung, aber es lohnt sich, auch hier einfach der Wahrheit ins Gesicht zu sehen: Es bringt überhaupt nichts, den Kindern die schönsten Dinge zu schenken. Wenn sie sie nicht interessieren, dann werden sie damit nie spielen. Stattdessen liegen sie dann im Zimmer herum und ärgern uns.

Neulich habe ich diesen schönen Artikel gelesen http://einerschreitimmer.com/2015/01/experteninterview-mit-sonderpadagogin-katja-wie-viel-spielzeug-ist-zu-viel/. Hier werden die verschiedenen kindlichen Entwicklungsphasen im Kinderspiel sehr schön erklärt und es fällt bei den Empfehlungen für Spielzeug immer wieder der Satz „es geht auch ohne Spielzeug“.

Unsere Kinder sollten es uns wert sein, ihnen zuzuhören. Wenn wir sie ernst nehmen, werden wir sie nicht mit Spielzeug eindecken. So gut es gemeint ist – schaut euch doch selbst an: Lest ihr geschenkte Bücher, die euch überhaupt nicht interessieren, auch wenn sie noch so hoch gelobt werden? Benutzt ihr die Sojakissen von eurer Schwiegermutter, die überhaupt nicht zu eurem Farbgeschmack passen? Legt ihr Parfum auf, dass ihr geschenkt bekommen habt, aber überhaupt nicht riechen könnt? Aber ihr könnt solche Dinge wahrscheinlich auch nicht gut einfach wegschmeißen oder weggeben, insofern stehen sie dann rum und … ärgern uns.

Kinder werden von dem ganzen Spielzeug in ihrem Zimmer abgelenkt und unkonzentriert. Wir tun ihnen wirklich keinen Gefallen damit.

Zurück zur Ursprungsfrage: Wie viel Spielzeug braucht also ein Baby? Ein Einjähriges? Ein Zweijähriges?

Ein Baby braucht euch. Eine weiche Decke habt ihr sowieso, zum Drauflegen, Kuscheln usw. Damit lernt ein Baby wunderbar greifen. Es greift euren Finger, euren Reißverschluss an der Jacke. Die Fenstergriffe. Eure Kapuzenkordeln. Es kommen Phasen, wo das Baby immer mehr kann, aber vieles eben auch noch nicht. Gerne wird dann Spielzeug gegeben, um den Frust hinauszuzögern oder zu vermeiden. Das könnt ihr gerne machen, wenn es euch dann besser geht, aber ein Löffel ist für ein Baby genauso spannend wie ein Plastikrasseldings.

Es beginnt zu krabbeln und sein Radius wird größer. Wenn ihr nicht total minimalistisch eingerichtet seid, wird es jetzt selbst Dinge zum Spielen finden. Lasst es machen und freut euch einfach daran, seinem Entdeckerdrang zuzusehen, statt ihm ständig bunte Bälle und Rasseln vor die Nase zu knallen.

Einjährige – ich hatte es oben erwähnt – sind in der Küche oft wirklich sehr, sehr glücklich. Wir haben mit Krabbelalter unserer Kinder die Schubladen etwas umsortiert und dann konnten sie nach Herzenslust den Topfschrank und die Plastikschüsseln durchwühlen. Steine und Kastanien sind völlig altersunabhängig tolle Spielsachen.

Wenn euer Kind dann in der KiTa ist, könnt ihr ja mal schauen, wie sie da so spielen. Bauklötze können nie schaden. Unsere Kinder haben aber z. B. immer nur mit Duplo gespielt und die schönen Holzklötze lagen nur rum. Kapla-Steine sind zwar eine große Anschaffung, bescheren aber der ganzen Familie und auch noch sehr großen Kindern viel Spaß, weil man daraus wirklich unglaubliche Dinge bauen kann. Wenn man denn gerne baut – schaut euer Kind an. Meiner Tochter reicht bis heute eine kleine Kiste Duplo, während unser 6-jähriger sich mittlerweile Lego Technik erschließt und so viel Lego hat (und fast täglich benutzt), dass ich mir die nächsten Jahre gar nicht vorstellen mag.

Vertraut euren Kindern. Sie wissen in den meisten Fällen, was gut für sie ist. Das gilt fürs Essen genauso wie für die Kleidung und eben auch fürs Spielzeug. Ich würde meine Kinder niemals zwingen, etwas zu essen. Wieso sollte ich ihnen dann Spielzeug vorsetzen, das sie nicht haben wollen – und dann noch sauer sein, wenn es herumliegt?

Unsere Kinder, das Zimmer und unser Zusammenleben sind durch das reduzierte Spielzeugangebot sehr viel harmonischer geworden. Den Kindern fehlt nichts, sie können ihr Spielzeug jederzeit haben. Aber sie fragen wirklich selten danach!

Kinderkunst schön aufbewahren

Bilderrahmen_E

Neulich kam in unserer wunderbaren Facebook-Gruppe „Spielzeugfreies Kinderzimmer“ die Frage, was wir Eltern größerer Kinder mit den Kunstwerken unserer Sprößlinge tun. Danach entspann sich eine angeregte Diskussion mit sehr kreativen Verwertungs- und Aufbewahrungsmöglichkeiten für die Bilder und Basteleien der Kinder, die ich hier mit euch teilen möchte.

Bilderauswahl

Ich spreche der Einfachheit halber von Bildern – gemeint ist im Prinzip alles, was man aufhängen kann…

Wir hängen erstmal all das auf, was aufgehängt werden soll. Also, entweder die Kinder kommen und wollen ein Stück aufhängen oder wir Eltern wollen es noch etwas im Blickfeld behalten. Ich finde es hier wirklich wichtig, die Kinder mit einzubeziehen. Sie sind die Künstler und sehen in ihren Bildern oft noch viel mehr als wir. Wenn sie ein Bild also aufhängen wollen, dann tun wir das auch.


Diese Stücke kommen entweder in die „permanente“ Ausstellung in Bilderrahmen im Kinderzimmer oder für eine Weile an unsere Pinnwand im Flur oder an den Kühlschrank. Sobald etwas neues dazukommt, tauschen wir aus. Jetzt wird es interessant – die abgenommenen Bilder / Basteleien hängen nun zwar nicht mehr, aber die meisten wollen wir trotzdem aufheben.

Das Aufbewahren

BastelkisteWir haben für jedes Kind eine Sammelmappe, in die die Malereien kommen und eine Kiste (bisher reicht noch eine für beide Kinder) für die etwas großformatigeren Basteleien in 3D. Bilder, die wir nicht aufheben, aber trotzdem behalten wollen, fotografieren wir ab. Wenn genug zusammen gekommen ist, machen wir daraus ein Fotobuch für jedes der Kinder. So ist alles bewahrt und schön aufbereitet (in platzsparender Form).

Eine Möglichkeit ist natürlich auch, die Bilder einfach alle zu sammeln und aufzuhängen. Freunde von uns haben den gesamten Flur mit den Kunstwerken ihrer mittlerweile 9-jährigen Tochter tapeziert – das sieht toll aus und ist auch ein schönes Signal an die Kinder.

Die liebe Birgit von suchtdasglueck hat uns z. B. auf diese schöne Art vom simpleasthatblog.com hingewiesen, die Bilder der Kinder zu sammeln und auch aufzuhängen – nur eben in etwas komprimierter Form:

0161fcd97b03a5f264bebbf13c2a0f4a

Hier findet ihr auch eine Anleitung zum Nachmachen.

Aussortieren

Aber auch Aussortieren ist wichtig: Ich z. B. bewahre die KiTa-Kunstwerke ehrlich gesagt nicht so lange auf, weil das oft vorgegebene Dinge sind, bei denen die Kinder nicht wirklich kreativ werden, sondern oft nur ausführen. Es ist ihnen sehr wichtig, diese Dinge mit nach Hause zu nehmen, aber sobald sie da angekommen sind, sind sie vergessen.

Auch großformatige, spärlich bekritzelte Rückseiten von Kalenderblättern u. ä. aus der Kita wandern zuhause meist gleich ins Altpapier und wurden noch nie vermisst.

Kinder malen oft in Phasen. Wenn meine Tochter die zwanzigste Prinzessin mit blonden Haaren und blauem Kleid malt, dann muss ich das nicht zwanzig Mal behalten, sondern es reichen vielleicht ein bis drei Varianten. Es sei denn, ihr stellt alle nebeneinander wie oben beschrieben – das sieht dann auch wieder interessant aus!

Dafür bleibt das riesige Holzflugzeug, das mein damals fünfjähriger komplett alleine entworfen, zusammengeschraubt und angemalt hat (nur beim Sägen hat er sich Hilfe eingefordert) sicher für immer unter unseren wichtigen Dingen und steht im Regal!

Habt ihr noch weitere Ideen, wie man die Kinderkunst schön (und platzsparend) sammeln und aufbereiten kann?

 

Spielzeugfreies Kinderzimmer – eine erste Bilanz

zimmer m - e

Seit zwei Monaten ist unser Kinderzimmer nun „spielzeugfrei“. Und gleich vorweg: Es ist ja gar nicht spielzeugfrei, nur spielzeugreduziert. Die Kurzfassung unseres „Systems“ lautet:

  • Alle Spielsachen wurden ordentlich verstaut und außer Reich- und Sichtweite der Kinder weggepackt
  • Jedes Kind durfte sich max. 3 Dinge aussuchen (wobei ein Ding z.B. eine Puppe mit ihren Anziehsachen oder die Legokiste sein kann), die es „unten“ im Zimmer zum Spielen haben möchte.
  • ca. 1 x die Woche besteht die Möglichkeit, Spielzeug auszutauschen
  • Im Zimmer geblieben sind die Verkleidungskiste und die Schreibtische mit Bastelmaterial.

Soweit so gut. Beim Ausräumen haben die Kinder begeistert mitgeholfen. Der 6-jährige hat das System ziemlich gut verstanden und freute sich darauf, weniger Aufräumen zu müssen, wollte aber vor allem uns Eltern glücklich machen, da wir so genervt vom vollgestellten Zimmer waren.

Die vierjährige hat das ganze noch nicht so richtig durchblickt, sobald wir ihr aber glaubhaft versichern konnten, dass sie ihre Lieblingspuppe zum Spielen behalten kann (bzw. wir sie gar nicht erst weggepackt haben), war es für sie auch OK.

Durch das große Interesse auf Facebook und im Freundeskreis entstand dieser Blog sowie die dazugehörige Facebook-Seite und die Facebook-Gruppe.

Großes Aufatmen

Dass es für uns Eltern eine große Erleichterung sein würde, das Kinderzimmer nicht mehr entweder im absoluten Chaos zu sehen oder Aufräumen zu müssen war uns eigentlich klar. Und so war es auch. Das Kinderzimmer ist jetzt groß und luftig, die bespielten Spielsachen sind entweder im Einsatz oder schnell weggepackt. Wir sparen dadurch viel Zeit und Nerven – was die Kinder natürlich schnell bemerkt und schätzen gelernt haben.

Dass es auch für die Kinder eine solche Erleichterung sein würde, nicht mehr vom ganzen Spielzeug erschlagen und abgelenkt zu werden, hat uns schon überrascht. Es haben sich schnell Lieblingsspielzeuge herauskristallisiert. Unser Sohn braucht eigentlich immer nur eine „Sache“ unten. Meistens sind es seine Legosteine und -bausätze. Als wir uns den Grimm’s Regenbogen aus unserem Laden ausgeliehen hatten, hatte er sich ergänzend dazu seine Matchboxautos gewünscht. Damit spielt er sehr konzentriert und lang andauernd. Was früher mit ihm ein großes Problem für uns war, dass es selten mal allein gespielt hat und ihm viel langweilig war, tritt kaum noch auf. Er freut sich sehr, wenn L. mit ihm zusammen Lego baut (sie sitzen dann total vertieft nebeneinander auf dem Teppich und bauen nebeneinander her, selten mal was zusammen), aber er spielt auch viel alleine. Und, auch das ist mehr geworden, seit wir das Spielzeug reduziert haben, viel mehr mit seiner Schwester E.

Rollenspiele waren vorher schon wichtig (vor allem Verkleiden), haben seit November aber deutlich zugenommen und sind auch kreativer geworden. Kartons oder andere „Abfallprodukte“ aus der Küche und Arbeitszimmer werden begeistert angenommen und ins Spiel integriert. Die beiden spielen jetzt auch öfter mit dem Spielzeug des anderen – also beide mit E. Puppen oder beide mit Lego / Autos. Das war früher ganz klar die Domäne des anderen und hat sich kaum gemischt.

E. malt außerdem wahnsinnig gern und bastelt. Seit der Boden ihres Zimmer-Teils frei ist, tut sie dies ausufernd auf dem Boden.

Sehr wichtig ist auch, dass die Kinder sich in der Wohnung frei bewegen können und, bis auf wenige Ausnahmen, auch mit allem spielen können. Bestes Beispiel ist wahrscheinlich die Küche, hier werden öfter Töpfe und Löffel entliehen. Über Weihnachten haben wir alle zusammen im Wohnzimmer gesessen und die Kinder hatten ihr Spielzeug da. Das war bisher immer ein No-Go, weil sonst die ganze Wohnung im Spielzeug ertrunken wäre. Da es jetzt aber insgesamt nicht mehr so viel gibt, ist es kein Problem und sorgt für ein ruhiges und schönes Miteinander.

Sind die Kinder ordentlicher geworden?

Nein, überhaupt nicht. Aber das war ja auch nicht Sinn der Sache. Ich erwarte von Kindergartenkindern überhaupt nicht, dass sie selbstständig ihr Zimmer aufräumen. Aber wenn ich E. früher gebeten habe, aufzuräumen, hat sie von vornherein kapituliert „Ich kann das nicht alles alleine!“. Bitte ich sie nun um das gleiche (Fragestellung in beiden Fällen: „E., hilfst du mir beim Aufräumen und packst die Puppen in die Wiege?“) dann fällt es ihr wesentlich leichter, das zu tun. Es liegen eben auch nur die Puppen da und daneben steht die Wiege, also ist sonnenklar, was sie tun soll.

M. hat sich im Zuge unseres Aufräumens ein eigenes Lego-Sortiersystem überlegt und hält es seitdem selbstständig ein.

Das Kinderzimmer sieht jetzt abends meistens so aus, dass bei M. diverse Haufen Lego verteilt sind, neben den Kisten und fertig gebauten Teilen. Die schieben wir etwas zur Seite, um freien Gang zum Fenster zu haben.

Bei E. liegen Seidentücher, Seile, Papier und Stifte verteilt auf dem Boden. Gerne auch Papierschnipsel (mit Papierschnipseln machen die beiden alles von Schnee bis Geld).

Im restlichen Zimmer liegen die Tobematte und die Softbausteine meist sehr verstreut, die sind schnell zusammengeschoben, falls sie im Weg liegen.

Das räumen wir nicht jeden Abend weg. Sie spielen am nächsten Tag sowieso wieder damit und es stört auch nicht wirklich. Wenn ich das Gefühl habe, dass die Stifte so verstreut sind, dass sie zum Malen niemand mehr wiederfindet, sortieren wir sie. Wenn gesaugt werden muss, räumen wir einmal komplett den Boden frei.

Da die Kinder neuerdings wieder beide bei uns im Elternbett schlafen, ist es auch nicht so wichtig, sich nachts im Kinderzimmer frei bewegen zu können. Im Gegenteil, so schleichen sie sich morgens aus unserem Bett und spielen friedlich und leise im Kinderzimmer – traumhaft.

Ist den Kindern Spielzeug jetzt weniger wichtig?

Bei der Kleinen hat sich das nicht wirklich verändert. Wenn sie etwas schönes sieht, will sie es haben und zwar sofort. Am nächsten Tag ist es meist vergessen. Ich glaube aber, für M. ist, genau wie für uns, wesentlich klarer geworden, was er toll findet und braucht und deshalb kann er seine Wünsche jetzt auch klarer benennen bzw. besser einschätzen, was ihm wirklich wichtig ist und was nicht.

Gibt es weniger Streit?

Das ist schwer zu sagen und sehr subjektiv. Geschwister finden immer einen Grund zum Streiten und brauchen das auch. Dadurch dass sie mehr und einträchtiger zusammen spielen, würde ich schon sagen, dass es weniger Streit um Spielzeug gibt. Bauen sie aber beide mit Lego, nimmt sich schon oft einer die Teile vom anderen oder baut einfach das Haus vom anderen weiter. Das endet meistens in Tränen und Gebrüll.

Wie wird es weitergehen?

Da sich herausgestellt hat, dass es pro Kind tatsächlich nur ca. 3 – 4 Spielzeuge gibt, die sich im Tauschturnus befinden, werden wir im nächsten Schritt alles andere Spielzeug in den Keller verstauen, sodass es wirklich außer Sicht ist.

Anfangs zuckte es mir noch in den Fingern, die Kinder an manches Spielzeug zu erinnern, á la „Wollt ihr nicht mal wieder mit den Schleich-Tieren spielen?“. Das habe ich mir zum Glück verkniffen. Sie wissen genau, was sie spielen wollen und suchen sich zur Not alles zusammen. Sie wissen auch noch, was wir alles haben und müssen nicht daran erinnert werden. Und manche Dinge, mit denen sie nie gespielt haben, fordern sie natürlich jetzt auch nicht ein.

Da wir keine Spielzeuge verkaufen oder verschenken würden, ohne das Einverständnis unserer Kinder zu haben, gehen die Dinge jetzt erstmal in den Keller, auch wenn wir sie dort wahrscheinlich kaum wieder hervorholen müssen. Aber sich endgültig zu trennen wäre für die beiden, besonders für E., zurzeit wohl noch zu schwierig, da lassen wir noch etwas Zeit ins Land gehen. Es eilt ja auch nicht.

Was wir sehr gerne tun und was auch für die Kinder in Ordnung ist, ist Spielzeug langfristig zu verleihen. Und als M. neulich zum Geburtstag einer KiTa-Freundin eingeladen war, die sich ein Kuscheltier wünschte, da haben wir ein (sehr gut erhaltenes) von unseren verschenkt.

Fazit

Würden wir das wieder tun? Ja, auf jeden Fall.

Könnten wir noch mal von vorne anfangen, würden wir erst gar nicht so viel Spielzeug anhäufen (s. auch „Tipps für ein spielzeugfreies Kinderzimmer„) und mehr auf die Interessen und Wünsche unserer Kinder achten.

In Zukunft werden wir nicht viel weiteres Spielzeug zukaufen. Unsere „Schenker“ haben dieses Weihnachten auch wirklich toll mitgemacht und haben glaub ich unsere Wünsche verstanden und unterstützen sie.

Dass der Zufluss an Spielzeug von außen eines der größten Probleme ist, zeigt die Beliebtheit des Beitrags „Was tun mit den Schenkenden“ auf diesem Blog, der wurde mit Abstands am öftesten aufgerufen. Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass das bei uns so gut funktioniert hat und hoffen, dass es auch in Zukunft so bleibt. Spannend wird sicherlich auch das Thema Kindergeburtstag.

Ich glaube, einer der Schlüsselfaktoren ist hier, wie auch sonst so oft im Leben, sich nicht so zu versteifen. Spielzeugfrei ist illusorisch und m. E. auch nicht wünschenswert, denn die Kinder wollen und sollen spielen und das nicht nur mit selbstgebasteltem. Kann man die Spielzeugflut von außen nicht stoppen, wäre eine mögliche Reaktion z. B., die „von innen“ einzustellen. Zum Geburtstag wird es von uns in Zukunft Reisen, Aktivitäten u. ä. geben. Dann sind ein paar Spielzeuge von den Freunden auch nicht weiter schlimm. Und vielleicht können ja hier die Wünsche auch in Bahnen gelenkt werden, die zum Konzept passen.